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Der Fixer und die Oma
Autor: Toni Feller
Eingestellt am: 21.11.2003
Dieser Text im pdf-Format: Feller_Der-Fixer-und-die-Oma.pdf (28 kByte)
Seite 3 von 9

An einem beschissenen Tag, bei Heiko gibt es keine anderen mehr, an so einem beschissenen Tag also, kommt er um fünf Uhr mittags mal wieder heim. Weil er in letzter Zeit immer mehr Platzangst und Halluzinationen in dem viel zu engen Fahrstuhl bekommt, geht er über die Treppe, obwohl ihm das Treppensteigen bis zu seiner Wohnung im fünften Stockwerk sehr zu schaffen macht.
In der zweiten Etage angekommen, muss er die erste Verschnaufpause einlegen. Er röchelt laut hörbar. „Sicher eine beginnende Erkältung“, redet er sich ein. Am Ende des Flures sieht er eine alte Frau, die gerade ihre Wohnungstür aufschließen will. Die „Alte“ ist ihm in der Anonymität des Wohnsilos noch nie aufgefallen. Wie sollte sie auch? In diesem Haus kümmert sich niemand um den anderen.
Gerade wie sie den Schlüssel ins Schloss steckt, fällt ihr der Einkaufskorb zu Boden. Heiko sieht nur die aufgeplatzte Mehltüte. Das sich auf dem dunklen Boden stark abhebende weiße Mehl erinnert ihn sofort an Heroin. Die anderen Sachen nimmt Heiko überhaupt nicht wahr. Der Anblick zwingt ihn regelrecht, zu der Alten hinzugehen. Wie ein Raubtier wittert er Beute. Vielleicht kommt er, ihre Aufregung nutzend, irgendwie an ihre Geldbörse ran. Öfters schon hat er den Trick angewandt. Betagte Frauen anrempeln, helfen beim Aufsammeln der heruntergefallenen Sachen und die alten verdatterten Leute dabei bestehlen.

„Die muss ich nicht erst anrempeln, und so alt wie die ist, ein Kinderspiel“, überlegt Heiko blitzschnell.
Ob er nun einen Apfel oder die Tüte mit den Süßigkeiten zuerst vom Boden aufhebt, weiß er in dem Augenblick nicht. Es ist ihm auch egal. Seine Sinne konzentrieren sich einzig und allein auf lohnende Beute, die er unbemerkt an sich nehmen will. „Auf keinen Fall darf die Alte etwas merken und zu schreien beginnen. Das kann ich mir hier in dem Haus nicht leisten“, ist nun der einzige halbwegs klare Gedanke, den er fassen kann.
„Die Geldbörse – wo könnte sie sein? Sie muss sich in der Handtasche befinden, die die Alte vor Schreck ebenfalls fallen ließ.“
Die Frau steht unmittelbar neben ihm, während er, ein Knie auf dem Boden, die Sachen in den Korb räumt.

„Die Handtasche! Ich muss mich so in Position bringen, dass ihr die Sicht darauf versperrt ist“, schießt es Heiko durch den Kopf. „Dann öffnen, die Geldbörse herausnehmen und wieder den Schnappverschluss zudrücken. Hoffentlich verursacht das keine Geräusche. Die Alte darf nichts mitbekommen. Eine Katastrophe würde dies nach sich ziehen. Polizei, Verhaftung, Kündigung der Wohnung! Und was das Schlimmste wäre, Zwangsentzug im Knast. Das wäre die Hölle.“
Der Verschluss ist ausgeleiert, lässt sich leicht öffnen. Mit einer Hand häuft Heiko das verstreute Mehl zusammen. Jetzt, aus der Nähe, ist es eben nur Mehl, kein Heroin. Das würde sich ganz anders anfühlen. Nicht so weich, mehr kristallinisch, wie feinster Zucker.
Die Handtasche ist nun so weit offen, dass Heiko die Geldbörse sehen kann. Altes braunes Leder, an den Ecken stark abgestoßen. Dick genug, um genügend Geld darin zu vermuten.
Seine Hand tastet, während sein Blick auf die mit Mehlstaub überzogenen Schuhe der Frau gerichtet ist. „Heroin! Ein Bad in Heroin. Ein letzter alles erfüllender Traum, ein Taumeln, ein Rausch der Glückseligkeit, des Vergessens, des Dahinschwebens auf einer Wolke, die so weich, so sanft den Körper umhüllt und ihn wegträgt in ein anderes Universum, wo das Irdische, das Quälende nur noch Vergangenheit ist.“



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