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Der Fixer und die Oma
Autor: Toni Feller
Eingestellt am: 21.11.2003
Dieser Text im pdf-Format: Feller_Der-Fixer-und-die-Oma.pdf (28 kByte)
Seite 6 von 9

Innerlich völlig aufgewühlt, als kaputter Fixer so etwas entdeckt zu haben, kann er die halbe Nacht nicht schlafen.
War das eine Überraschung, als sich herausstellte, dass sie am gleichen Tag Geburtstag haben. Viele Male schon, hat Heiko die alte Frau besucht. Inzwischen haben sich beide richtig daran gewöhnt.
Heute ist es soweit. Sie haben vereinbart, dass sie ihren Geburtstag natürlich zusammen feiern. Ganz groß, mit Sekt, Kaviar und allem drum und dran. Aber nur sie beide ganz allein, in der Wohnung der Oma. So nennt Heiko inzwischen die alte Dame. Als es Heiko zum ersten Mal herausrutschte, nickte Frau Wassmer nur und Heiko stellte bei ihr einmal mehr jenen Gesichtsausdruck fest, den sie nicht verhehlen konnte, wenn sie glücklich schien.

Sie wird vierundachtzig und er dreiundzwanzig. Wenn das kein Grund zum Feiern ist. Die alte Frau, sein Omichen, zu bestehlen, daran denkt Heiko schon lange nicht mehr. So gut es nur geht, reißt er sich in letzter Zeit zusammen. Es gelang ihm, den Heroinkonsum ein wenig zu reduzieren, wodurch die von ihm verübten Straftaten auch weniger wurden. Vor allem entreißt er alten Frauen keine Handtaschen mehr. Jedoch schaffte er es nicht, ganz von dem Teufelszeug los zu kommen.
„Ob Frau Wassmer schon gemerkt hat, was mit mir los ist?“ Das hat er sich schon öfters gefragt. Auch heute. Er trägt immer seine langärmelige Lederjacke, damit sie die Einstiche an den Armen nicht sieht. „Aber blind ist sie ja nicht“, überlegt Heiko.

Heute läuft es nicht so gut. Es dauert ewig, bis er sich den Stoff besorgt hat. Und das ausgerechnet an seinem Geburtstag.
Den Sekt und Kaviar würde er beisteuern, versprach er. Dass er das Zeug klauen muss, weil er alles Geld zur Beschaffung des Heroins benötigt, konnte er natürlich nicht sagen.

Es läuft wie immer ab. Er achtet darauf, dass keiner der Kaufhausdetektive, die er inzwischen alle kennt, in der Nähe ist. Dann nimmt er aus dem Regal eine Flasche echten Champagner. Vierundvierzig Mark würde der kosten. Genauso macht er es mit der Büchse Kaviar. Beides versteckt er unter seiner Jacke. Als er an der Kasse vorbei will, geht es blitzschnell. Er wird von zwei starken Händen festgehalten und eine halbe Stunde später sitzt er auf der Polizeiwache.
Gewöhnlich dauert es nicht so lange. Er hatte das schon mehrere Male mitgemacht. Aber weil man bei ihm das Heroin für seinen nächsten Schuss findet, muss er zunächst warten, bis ein Kripobeamter kommt. Und als es endlich soweit ist, muss er eine endlose Befragung über sich ergehen lassen.
„Sie wird sicher auf mich warten“, denkt er verzweifelt. „Ausgerechnet heute! Jetzt ist es bereits halb sieben und um fünf war vereinbart.“

Endlich ist es soweit. Heiko wird gegen neunzehn Uhr entlassen. Er fühlt sich nicht gut. Seinen Stoff haben sie ihm abgenommen und der Entzug setzt langsam ein. Geld hat er keines in der Tasche und ohne Geld gibt es keinen Stoff. Das ist eine feste Regel in der Szene. „Was soll‘s? Erst einmal Frau Wassmer anrufen und Bescheid geben, dass es später wird. Vielleicht bekomme ich von einem anderen Fixer eine halbe Spritze“, murmelt er vor sich hin.

In der ersten Telefonzelle, die er findet, ist der Hörer abgerissen. Es ist eine Doppelzelle und Heiko zieht hastig die zweite Tür auf. Verdammt, hier benötigt man eine Telefonkarte! Natürlich hat ein Fixer so etwas nicht in der Tasche. Es wäre ja wie Bargeld und Bargeld wird gewöhnlich sofort in Stoff umgesetzt. Heiko rennt über eine Seitenstraße, zwei- dreihundert Meter weiter, bis er zum nächsten Telefonhäuschen kommt. Mit zittrigen Fingern wirft er seine letzten drei Groschen in den Schlitz und wählt.



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