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Der Fixer und die Oma
Autor: Toni Feller
Eingestellt am: 21.11.2003
Dieser Text im pdf-Format: Feller_Der-Fixer-und-die-Oma.pdf (28 kByte)
Seite 7 von 9

„Verflixt und zugenäht, auch das noch! Warum nimmt sie denn nicht ab? Es wird ihr doch nichts passiert sein?“ Heiko lässt es durchklingeln. Endlose Rufzeichen. „Geh doch ran, Oma! Das gibt es doch nicht! Vielleicht ist sie gerade auf der Toilette? Ich probiere es noch einmal.“ Vergeblich! „Es muss etwas passiert sein, totsicher. Nichts wie nach Hause!“

„Der beschissene, dieser elende beschissene Bus hat auch noch Verspätung. Heute geht aber alles schief.“ Die vier Kilometer von der Stadt bis nach Hause kommen Heiko wie vierhundert vor. Endlich! Heiko rennt die zwei Stockwerke hoch und klingelt gleich wie wild an Frau Wassmers Tür. Nichts rührt sich. Noch einmal dauerklingeln,.... nichts. Jetzt ist sich Heiko sicher, hier ist ein Unglück passiert. Als er dann mit der Faust wie ein Verrückter gegen die Tür hämmert und sich gerade anschickt sie einzutreten, wird die Nachbartür vorsichtig geöffnet. Eine Frau schaut ängstlich durch den Spalt und fragt, was hier schon wieder los sei. Und von dieser griesgrämigen Frau, die ihre Tür gerade mal soweit öffnet, dass ihr Gesicht halbwegs zu erkennen ist, erfährt Heiko, dass man Frau Wassmer vor etwa einer Stunde drei Stockwerke höher auf dem Flur fand. Sie war bereits ohne Bewusstsein. Der Puls sei schon ganz flach gewesen. Kreislaufkollaps, hätte der Notarzt festgestellt. „Wahrscheinlich ist sie schon tot. Sie war ja auch alt, die Frau Wassmer. Aber eine gute Nachbarin“, beeilt sich die Frau hinzuzufügen. „War? Um Himmels willen nein! Wissen Sie, wo man Frau Wassmer hingebracht hat?“, schreit Heiko mit überschlagener Stimme. Die Nachbarin schaut ihn verwundert an. „Sicher ins Städtische Klinikum“, kommt es fast unwirsch aus ihrem Mund.

Wie von Hunden gehetzt rennt Heiko die Treppe hinunter. Vor dem Haus schnappt er sich aus dem Fahrradständer das erstbeste Fahrrad, das nicht abgeschlossen ist. Es ist ein uraltes Vehikel, das nie im Leben jemand entwenden würde, weshalb auch der Eigentümer vermutlich nicht daran dachte, ein Schloss anzubringen.
Obwohl an dem Drahtesel einmal die Kette herunterspringt und er in einer engen Kurve stürzt, erreicht Heiko fünfzehn Minuten später das Städtische Klinikum. Der Schweiß rinnt ihm aus allen Poren. An seinem Rücken klebt klitschnass das Hemd. Die immer strähnigen Haare sehen noch ungepflegter aus und hängen ihm teilweise wild ins Gesicht. Seine Hände sind schwarz vom Auflegen der heruntergesprungenen Fahrradkette.

Zur Intensivstation will ihn niemand vorlassen. Kein Wunder, so wie er auch aussieht. Als Heiko sich aber nicht abwimmeln lässt und lauthals darauf besteht, Frau Wassmer zu besuchen, wird der verantwortliche Arzt gerufen.
Der Doktor ist mindestens einsneunzig groß, wenn nicht gar größer. Jedenfalls kommt er Heiko wie eine Riese vor. Mit verschränkten Armen steht er vor ihm und schaut an Heiko herunter. „Gehören Sie zur Familie, sind Sie ein Angehöriger von Frau Wassmer?“ „Ja, ich gehöre zur Familie und ich bin der Einzige den sie,... den sie noch hat“, lügt Heiko mit überschlagender Stimme. War es eine Lüge? Fast hätte Heiko auch noch hinausgeschrieen, dass die alte Frau eigentlich auch der einzige Mensch ist, den er noch hat. „Seine Familie, seinen Vater? Die Geldüberweisungen, selbstverständlich, aber wie lange hat er ihn nicht mehr gesehen? Wie weit haben sie sich voneinander entfernt? Mindestens so weit, wie der Mond von der Erde entfernt ist? Nein, bestimmt noch weiter. Und wie nahe ist er doch Frau Wassmer zwischenzeitlich gekommen. Sie ist seine Omi, seine Familie. Verwandt? Mehr verwandt kann man nicht sein. Seelenverwandtschaft in höchster Vollkommenheit.“


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