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Der Fixer und die Oma
Autor: Toni Feller
Eingestellt am: 21.11.2003
Dieser Text im pdf-Format: Feller_Der-Fixer-und-die-Oma.pdf (28 kByte)
Seite 4 von 9

„Junger Mann, ist Ihnen nicht gut?“ Die Berührung auf seiner Schulter fühlt sich vertraut an. Dennoch zuckt Heiko zusammen.
„Sie zittern ja am ganzen Körper. Mein Gott, ein Schweißausbruch! Haben Sie Kreislaufprobleme?“
Heiko richtet sich auf, wendet sich der Alten zum ersten Mal zu. Sie schaut ihn an, als ob er von einem anderen Stern käme. Doch dann bemerkt Heiko, wie aus dem Gesicht der kleinen, alten Frau die Besorgnis weicht, wie sie ihn plötzlich anstrahlt. Genau so strahlte ihn früher seine Mutter an, wenn sie stolz auf ihn war. Und sie war oft stolz.
Nicht lange, aber ganz genau schaut sich Heiko das Gesicht der Alten an. Die weichen Züge, trotz der tiefen Falten, das dankbare Lächeln, und vor allen Dingen die Augen. Sie sind es, die Heikos eiskalt gewordenes Fixerherz schlagartig erwärmen.

Als er gerade beginnt, sich über sich selbst zu wundern und dabei nicht wahrnimmt, wie er die Handtasche und die Geldbörse zurückgibt, bedankt sich die alte Dame und fragt ihn, ob er nicht auf eine Tasse Kaffee mit in ihre Wohnung kommen wolle. Heiko weiß nicht, weshalb er ja sagt. Vielleicht ist es immer noch der Gedanke, bei der Alten etwas mitgehen zu lassen, das er später in Stoff umsetzen kann.

Die Wohnung ist alles andere als spartanisch eingerichtet. Sie ist auch größer als Heikos Wohnung und vor allen Dingen viel sauberer. „Nicht so einen Saustall, wie bei mir“, stellt Heiko nüchtern fest.
Es kommt ein Gespräch zustande. Ein richtiges Gespräch. Keines wie mit seinen Genossen, kein Gefasel über Shit, Koks, Dope, Ascorbin und dergleichen mehr.
„Wenn sich nur nicht wieder dieser verflixte Entzug bemerkbar machen würde. Man könnte sich mit der alten Frau noch stundenlang unterhalten“, bedauert es Heiko insgeheim.
Sie erzählt, dass sie keine Familie, überhaupt keine Angehörige, mehr hat, die sie besuchen kommen könnten. Ihr Mann sei seit acht Jahren tot und ihr einziger Sohn sei schon viel früher bei einem Autounfall ums Leben gekommen.
Eine Schwester, von der sie früher ab und zu noch Besuch erhielt, sei an Alzheimer erkrankt und läge jetzt in einem Pflegeheim. Sie selbst wolle keinesfalls in ein solches Heim. Alters- und Pflegeheim, dies sei für sie etwas Endgültiges, etwas Unwiderrufliches und vor allen Dingen der Anfang vom absoluten Ende. Dagegen würde sie sich wehren, voll und ganz aus ihrem Inneren, so lange sie nur könnte.

Heiko schaut die Frau immer wieder genau an. Und jedes Mal entdeckt er etwas Neues an ihr. Ihre Hände, wie gepflegt sie sind. Die Haut, an manchen Stellen glatt, wie bei einem Baby, fast durchsichtig. Dann daneben die tiefen Falten, Furchen, wie alte Menschen sie nun einmal haben. „Ihr stehen sie gut“, denkt Heiko. Manchmal zittert sie ein wenig, genau wie Heiko. Doch bei ihr hat dies einen anderen Grund.

„Wenn nur dieser scheiß Turkey nicht wäre“ jammert Heiko innerlich. So nennt man die Entzugserscheinungen bei Heroinkonsumenten. Man sagt auch noch Affe dazu.
„Ich kann mir doch nicht vor der Oma einen Schuss setzen. Und abzustauben gibt es hier auch nichts mehr.“
„Also, also Frau, Frau...“ „Wassmer ist mein Name.“ „Also Frau Wassmer, ich muss nun weiter. Tut mir leid. War sehr interessant, Sie kennen zu lernen.“ „Ganz meinerseits, junger Mann. Und nochmals vielen Dank für Ihre Hilfe. Es würde mich freuen, wenn wir unsere Unterhaltung fortsetzen könnten.“

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