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Polizei
Ohnmacht
Autor: Lothar Riemer
Eingestellt am: 01.12.2006
„Hallo meine Kleine, es hat etwas länger gedauert, aber ich bin gleich zu Hause“
Erleichterung und eine innere Ruhe machen sich in mir breit, als ich den Telefonhörer wieder auflege. Es ist schön, wenn man ein Zuhause und Familie hat, die man anrufen kann. Aber wieder war etwas dazwischen gekommen, hat sich der Einsatz länger hingezogen, mussten noch Protokolle geschrieben oder Menschen getröstet werden. Wenn ich auch nicht immer helfen kann, so doch wenigstens trösten. Dafür muss Zeit bleiben und das seit über 25 Jahren. Aber trotzdem, ein schlechtes Gewissen bleibt. Erst meiner Frau, später auch den Mädchen gegenüber.
Die Jahre gehen ins Land. Eigentlich hattest du vor, wenigstens heute mal wieder pünktlich zu Hause zu sein. Wolltest doch die Kinder ins Bett bringen, mit zum Schulfest gehen, beim Musizieren zuhören. Wolltest einfach nur bei ihnen sein. Ihre Freude und Ärger teilen, ihre Schmerzen lindern, ihre Tränen trocknen, auch ihre Windeln wechseln.
Die Jahre gehen ins Land, die Kinder wurden größer. Vorbei die Zeiten, als ich mit Thermoskanne und Keksen „bewaffnet“ am Spielplatz saß, dunkle Ringe von der Nachtschicht unter den Augen. Den Alltagsproblemen der Hausfrauen lauschend, sich freuen über das Geschrei der Kinder. Die Seele in die Sonne hängen, nachdem so viel Schatten auf ihr liegt. Zu viele Tote, zu viele Schmerzen, zu viel Hilfe, die erbeten wird. Da war es gut, sich einfach nur über die Angebote bei Rewe und Penny zu unterhalten. Ach ja, außerdem mussten noch die Bratwürste für das Kindergartenfest gekauft werden. Es war Balsam für die Seele – so einfach.
Die Jahre gehen ins Land, aus Kindern wurden Jugendliche und nun sind sie erwachsen. Schützen wollte ich sie, vor den Unbilligkeiten des Lebens, der Verrohung, der Versuchung und der Lieblosigkeit. Alles unter Kontrolle haben, so wie ich es vom Dienst her kenne und der Bürger von mir erwartet. Problem erkannt, Problem gebannt. Der Wachtmeister wird`s schon richten, wer, wenn nicht er? Schließlich haben wir 24 Stunden am Tag geöffnet.
Die Jahre gehen ins Land und es hat uns eingeholt. Die Schattenseite des Lebens ist nicht vor unserer Tür vorbeigezogen. Hat sich mit Gewalt den Weg in unsere Familie gebahnt. Plötzlich wird einem klar, dass man als Polizeibeamter im Familienleben eben nur Vater ist, und nicht alles richten kann. Das dienstliche Wissen über die gefährlichen Klippen und Untiefen des Lebensstromes sind nicht auf die Kinder übertragbar. Sie wollen und müssen ihre eigenen, oft schwierigen Weg gehen. Selbst einen falschen Pfad muss man sie hilflos beschreiten lassen, in der Hoffnung, sie finden selbst die richtige Richtung. Eine schmerzliche und tiefgreifende Erfahrung. Auch damit müssen wir Polizisten leben. Mehr noch im Privaten, als im Dienst.
Ohnmacht heißt, keine Macht zu haben. Auch ich habe keine Macht, nur grenzenlose Liebe.


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