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Der Mob
Autor: Franz Ruthner
Eingestellt am: 12.01.2003
Dieser Text im pdf-Format: der-mob.pdf (37 kByte)
Seite 3 von 14

und allerlei anderer Firlefanz durch den Wagen. Jeder von uns hatte mindestens zwölf Stunden Nachtdienst hinter sich, ich hatte tags zuvor noch die Überwachung einer Botschaft absolviert und war somit schon neunzehn Stunden im Einsatz. Wir waren allesamt müde und demotiviert, ich kämpfte noch mit einem besonderen Übel. Meine Haut vertrug das Polyester der Uniformhosen nicht. Meine Beine und mein Hintern waren übersäht mit Pickeln. In der Falte zwischen meinem rechten Oberschenkel und der Arschbacke hatte sich eine schmerzhafte Fistel gebildet. Wenn ich mit dieser auf der Holzbank sitzen musste wurde mir nach kurzer Zeit vor Schmerz übel. Drehte ich mich nach links, um die entzundene Stelle zu entlasten, schlug, bei jeder kleinen Fahrbahnenebenheit, die der hart gefederte Bus an uns weiterleitete, die Spitze des Waffenholsters gegen die betreffende Stelle, was mir die Tränen in die Augen stiegen ließ.

Wie gesagt, ich war damals noch ein Grünschnabel. Heute würde ich bei einer solchen Fahrt komfortabel, auf meinen aufblasbaren Pölsterchen, sitzen, oder mich krank gemeldet haben.

Und doch erhellte mir die Schönheit dieser Baumgalerie damals die Stimmung, noch lange dachte ich an diesem Tage an diese besondere Straße, und heute erinnerte mich die Straße an meine Fistel am Arsch.

Im Nachdenken war ich an eine Straßenkreuzung gelangt, vor der ich automatisch anhielt. Als ich mich schon vergewissert hatte, dass kein Fahrzeug meine Überquerung gefährden würde, bemerkte ich im Haus neben mir ein Eckbeisl, und davor einen kleinen Schanigarten mit vier Tischen. Alle Plätze waren frei, wie auch sonst ich noch keinem Fußgänger auf meinem Weg begegnet war, selbst der Fahrzeugverkehr kaum spürbar war. Die Temperatur musste selbst in der schattigen Allee schon an die 28° betragen haben, sodass vermutlich der Rest der Stadt bereits in Bäder oder Schrebergärten geflüchtet war. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich erst zwanzig Minuten unterwegs war, und schon beinahe die Hälfte des Weges hinter mich gebracht hatte. Auf der Schwelle zum muffigen Schankraum bat ich den Wirt mir ein Bier in den Schanigarten zu bringen. Ich setzte mich auf einen der Holzklappsessel, der mich wieder an die harten Bänke der Polizeibusse erinnerte, mir entwich ein leises Lächeln. Während ich auf mein Bier wartete, beobachtete ich zwei Kinder, die in einer kleinen Parkanlage auf der gegenüberliegenden Straßenseite spielten. Es waren ein Bub und ein Mädchen; Geschwister vermutete ich. Der Junge, so schätzte ich, dürfte an die drei Jahre alt sein, seine Schwester an die Sieben. Das Mädchen versuchte offenbar ihren Bruder davon abzuhalten auf dem Hosenboden einen begrünten Hügel hinunterzurutschen. Der Bub quittierte ihre überzogenen Räsonen, mit welchen sie wohl ihre Mutter nachspielte, mit einem verschmitzten Grinsen, entwand sich ihrer Hand, und ließ sich seitlich den Hügel hinabrollen.

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