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Instinkt
Autor: Elmar Heer
Eingestellt am: 03.12.2006
Seite 2 von 5



Beim berqueren der Strae bemerkte ich noch zwei junge Kerle, die an einem uralten, aber tiefer gelegten und spurverbreiterten Ford Escort standen und sich rcksichtsvoll leise unterhielten. Ich nickte ihnen freundlich zu, aber sie waren wohl zu sehr in ihr Gesprch vertieft oder mit ihrem Auto beschftigt, dessen Heckklappe offen stand. Jedenfalls beachteten sie mich nicht weiter. Der Mchtegern-Sportwagen gehrte dem Sohn meines unmittelbaren Nachbarn, vermutlich einer von den beiden. Ich war erst krzlich in dieses frnkische Dorf nahe Nrnberg gezogen und kannte noch kaum jemanden aus unserem Viertel.

Whrend Doni seinen Grundbedrfnissen erleichtert freien Lauf lie, drehte ich mich nochmals um zu den Auto-Freaks. Irgendwie waren sie mir doch etwas merkwrdig vorgekommen. Entwickelt man als Polizist im Laufe der Jahre einen Instinkt fr berufsspezifisch Erfolg versprechende Situationen? Etwa so wie Dagobert Duck, der seinen Geldspeicher am Samstag zehnfach berversichert, weil er ahnt, dass die Panzerknacker diesen am Sonntag ausrumen werden? Oder, treffender noch, wie Winnetou, der seinen Pfeil reflexartig direkt ins Herz einer unsichtbar und ahnungslos im Gebsch kauernden Wstenratte schiet, weil seine Intuition ihm sagt, dass der Nager bis zum Morgengrauen heimlich seinen letzten Streifen getrocknetes Bffelfleisch fressen wrde und Winnie dann elend verhungern msste?

Der dickere der beiden Jungs sa jetzt auf dem Fahrersitz des Fords und duckte sich immer wieder unter das Lenkrad, whrend der andere an der Beifahrertre stand und scheinbar gelangweilt die Umgebung betrachtete. "Scheie!", sagte ich leise. Nein, wahrscheinlich war es nur ein "Verdammt!" oder "Mist!" oder einfach nur ein winnetoumiges "Uff!", denn das Wort Scheie kommt mir, wie eingangs erwhnt, nicht so oft in den Sinn geschweige denn ber die Lippen. Jedenfalls stimmte da nicht nur intuitiv, sondern ganz offensichtlich etwas nicht. Die hatten das Auto geknackt!

Indianergleich duckte ich mich in den Busch, den Doni gerade noch mit hoch erhobenem Hinterbein ausgiebig begossen hatte, und beobachtete aus meinem tropfenden Versteck gespannt die Lage. Gestreng dem uns in der Ausbildung eingebluten Grundsatz "Ruhe bewahren, berblick verschaffen!", der bei uns Beamten flschlicherweise manchmal auch als Phlegma interpretiert wird, verharrte ich mit angehaltenem Atem in meiner unbequemen Position. Polizeihundanwrter Doni bekam von all dem nichts mit, er frnte seiner eigenen Urinstinkte und schnffelte whrend dessen mit verklrtem Blick an einer Duftmarke, die wahrscheinlich die lufige Pudelhndin von Hausnummer 8 in der Wiese hinterlassen hatte.

Mit Genugtuung stellte ich fest, dass der Einbrecherinstinkt der beiden Typen offenbar nicht sonderlich ausgeprgt war, denn sie bemerkten weder mich noch meinen inzwischen augenscheinlich total in eine Unbekannte verliebten Vierbeiner.

Von Blitzeinbruch konnte hier keine Rede sein, mein linkes Bein war bereits eingeschlafen, als der Dicke endlich wieder ausstieg. Gemeinsam mit seinem instinktfrei Schmiere stehenden Kumpel begutachtete er kurz seine Beute, das mhsam ausgebaute Radio-Kassetten-Deck, ehe beide scheinbar gelassen in Richtung der nchsten Querstrae schlenderten.



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