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(171)
Am 27.02.2006 um 23:54 Uhr schrieb Gerald Marek aus Ellwangen (geraldmarek@web.de):

Zum Beitrag vom Kollegen Gnther Kirscht mchte ich anmerken:

Du fragst nach Normalitt unserer tglichen Arbeit. Da erhebt sich erst einmal die Frage "Was ist die Normalitt?" Fr einen Kollegen, der im Stab arbeitet und tagtglich mit Akten und einzuhaltenden Terminen kmpft, ist sicher etwas anderes Alltag als fr einen Streifendienstler, der zerfledderte Bahnleichen zusammensammeln muss, oder einen Kripo-Beamten, der auf einen Rauschgift-Dealer ansitzt, oder der Bepo-Kollege, der Angst um sein Leben hat, weil eine Horde Hooligans ihn im Fanblock verdreschen will.
Im Polizeiberuf gibt es nix "normales". Man knnte auch sagen "Alles ist normal". Sind wir doch mal ehrlich, warum gibt es in unserer "Firma" berproportional viele Scheidungen oder Alkoholker? Wie viele Kollegen haben sich schon mit der Dienstwaffe das Hirn weggeblasen? Ich bin mir sicher, dass das daran liegt, dass viele Kollegen ihren Stress (welcher Art auch immer) nicht verarbeiten knnen. "Wir sind die Weltverbesserer, die Rcher, die harten Kerle", spukt vielleicht im Hinterkopf herum, genauso die Angst vor der Beurteilung. Wenn jetzt da der Chef "nicht belastbar" ankreuzt nur weil ich mal geheult oder gekotzt habe, dann ist EDEKA (Ende der Karriere).
So ein Mist ist noch in vielen Polizistenkpfen verankert und dieses Bild haben wir in die Bevlkerung hinausgetragen.
Selbstverstndlich mssen wir den Super-Bullen markieren, wenn wir einem Zweieinhalb-Zentner-Mann gegeber stehen, der gerade seine Familie verdroschen hat und den man in Gewahrsam nehmen muss. Aber es soll mir keiner erzhlen, dass er das ohne mit der Wimper zu zucken wegsteckt als wre er Dirty Harry - das ist vlliger Unsinn.
Man darf Angst haben, man muss es sogar, um in manchen Situationen zu bestehen. Doch war und ist es richtiger Mist, dass man hinterher nicht darber redet. Die Kollegen knnten mich ja als Weichei einstufen und mich mobben.
Wie gesagt, es ist vllig Wurst, warum ein Kollege Stress hat, aber ihn dann als dienstuntauglich in dem "harte-Mnner-Job" abzutun, ist fatal. Die billigste Vorsorge, um ein burn-out-Syndrom (und das kann JEDEN treffen)zu verhindern ist REDEN und ZUHREN. Oder SCHREIBEN - wie einige Kollegen es auf dieser Seite tun.
Und was ist schlimm daran, dass wir den Leuten "draussen" sagen, dass wir zwar eine Uniform anhaben und dass wir staatlich autorisiert sind, Gewalt auszuben, aber trotzdem ganz normale Menschen sind, die auch nicht gegen (posttraumatische) Stress-Syndrome gefeit sind? Wenn irgendein Kollege mal Mist gebaut hat, mchten wir doch auch nicht, dass es heit "die Polizei" hat dies getan. Also mssen wir im Gegenzug auch sagen knnen, dass wir keinen Klone sind, die alle gleich reagieren.

Jeder von uns kann ruck-zuck in eine Situation kommen, die jahrelange Alptrume hervorruft oder dass uns der Stress langsam aber sicher, ohne dass wir es gleich merken, auffrisst. Und dann mssen wir froh sein, wenn uns jemand zuhrt.
Gott sei Dank gibt es hier endlich ein Sprachrohr, das genau dies der Welt auerhalb der Polizei mitteilt. Und glaub mir, Kollege Kirscht, die Polizisten, die hier schreiben sind alles andere als Heulsusen, mit denen man es sich nicht trauen kann auf Streife zu gehen und die sich besser einen anderen Beruf aussuchen sollten. Das zu denken wre hirnrissig.
Ich bin schon zu lange Polizist, als dass ich nicht herausgefunden htte, dass "Mensch in Uniform" zu sein einerseits manchmal schwer ist, aber andererseits die Arbeit exorbitant erleichtert. Und wenn man mal beim berbringen einer Todesnachricht mit den Hinterbliebenen mitheult, dann ist das vor allem fr einen selbst gesnder (abgesehen vom positiven Bild der Polizei), als ein Sprchlein runterzuleiern und schnell wieder abzuhauen.

Gre aus Ellwangen

Gerald Marek


(170)
Am 27.02.2006 um 17:49 Uhr schrieb Franz Echsler aus Neumarkt (DrEchsler33@aol.com):

Hallo Herr Kirscht,

Sie sollten wissen, dass Kritik nicht automatisch etwas Negatives sein muss, und dass sie hier weitestgehend positiv ist, spricht doch fr sich!

Mit Ihrem Kommentar, oder nennen wir es ruhig Kritik, erfllen Sie allerdings genau das Klischee, dem die Verfasser/Autoren in dieser Seite und in dem genannten Buch entgegenwirken wollen. Nmlich dem des khlen, harten Polizisten, fr den es nicht angebracht ist, Gefhle zu haben, geschweige denn, diese zu zeigen.

Aber wenn Sie sich so wohler fhlen, warum nicht? Jedem das Seine! Dienstlich mchte ich aber besser nicht mit Ihnen zu tun haben, dann schon lieber mit einem Beamten, dessen Seele durch die tgliche Arbeit nicht schon vollends verkrustet ist.

F. Echsler



(169)
Am 26.02.2006 um 14:24 Uhr schrieb Kirscht Gnther aus Grnwald (g.kirscht@web.de):

Habe kein Problem damit, meine E-mail Adresse zu hinterlassen. Hier ist sie nochmals
g.kirscht@web.de
Und als Heckenschtze versteh ich mich berhaupt nicht. Aber Meinung und Kritik sind bei uns nicht sonderlich gefragt,oder?
gk


(168)
Am 26.02.2006 um 12:15 Uhr schrieb Sibylle aus Erdmannhausen (Sibyllensteinchen@freenet.de):

Ich habe mir das Buch gekauft und wrde es jedem weiterempfehlen. Die Geschichten sind echt toll geschrieben und fordern zum Nachdenken auf. Weiter so


(167)
Am 25.02.2006 um 16:16 Uhr schrieb Gnther Kirscht aus Grnwald (g.kirscht@web.de):

Also ich kann mir nicht helfen. Ich lese nur positive Kommentare zum Buch "Die erste Leiche..... .Keine Kritik, nichts!
Bei manchen Texten frag ich mich schon, was soll das. Da wird diskutiert wer, wie ein Reh erschiet in einer Form, die mich schon nachdenklich werden lt. Und hinterher mchte der Kollege, das er geschossen hat. Irgendwie noch kindlich. Auch wenn Polizisten an der Motorhaube stehen und der Morgen am Horizont hochkommt und die Stadt noch ruhig liegt...viel Fernsehen geschaut glaub ich. Oder die Kollegin, die mit der Mutter eines mibrauchten Kindes eine tiefe Freundschaft anfngt und vorher noch ein Burn out Syndrom hat. Was macht sie beim nchsten Fall....
Aber ich will hier nicht die Kollegen madig machen, sondern ich vermisse einfach die Normalitt der Schilderung unserer Ttigkeit. Wir Menschen sind so, so ist unsere Gesellschaft und wenn ich mit dem was oben schwimmt tglich arbeiten mu, mu ich nicht meinen harten Mann raushngen lassen, wohl wissend, das bei jedem Gefhle vorhanden sind. Nur man mu wissen wo es angebracht mit ihnen frei umzughen und wo nicht.
So ist das Leben.
Irgendwie kam das in mir hoch, als ich diese Geschichtn las.

gk


(166)
Am 22.02.2006 um 20:54 Uhr schrieb Sabine Ring aus Jena (sabinering@jetzweb.de):

Ich bin Polizeibeamtin bei der Polizeiinspektion Jena und habe Euer Buch natrlich gelesen, ich habe es fast verschlungen. Ich wrde mich sehr gerne am 2. teil beteiligen. SDetzt Euch doch mit mir in Verbindung. Gru Sabine Ring


(165)
Am 22.02.2006 um 12:53 Uhr schrieb khler ehrenfried aus 68169 Mannheim (aiishi@arcor.de):

Hallo und guten Tag. Es ist interessant, auch mal den Beamten als Menschen, der mir ja nicht fremd ist, zu erlesen und somit auch ein wenig besser zu verstehen. Aus der Grauzone, heute als Brger, Malerei und Strategie
herzliche Gre www.pinky-art.de


(164)
Am 12.02.2006 um 22:12 Uhr schrieb Eugen Stritt aus Wutschingen (info@res-stritt.de):

Gedichte von Marion Inhuber sind tiefgehend und treffend. Sie berhren mich. Sie sind handwerklich sauber. Fr mich sind sie so stark, dass ich sie alle gesucht habe. Poesie vom Feinsten. Nix aus vergangenen Jahrhunderten, sondern von jetzt. Und trotzdem zeitlos. Einfach schn.
Marion mach weiter. Und wenns ein Buch wird, mach Werbung dafr. Ich htte gerne eins, wenns so weit ist.



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