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Mister Jimson Weed
Autor: Jens Mayer
Eingestellt am: 01.12.2003
Seite 2 von 4

Mein Freund, lass uns leben! Fühlen, riechen, schmecken, hören, sehen und lass „es“ uns ahnen. Lass uns eine Ahnung davon haben, wie man lebt. Wenn es uns alle Sinne gemeinsam mitteilen, jeder auf seine Art, dann muss es so sein. Lärm wird uns als Stille begegnen. Alles wird sich bewegen und wir erleben es ruhend. Alles, wirklich alles, gewahren wir als nichts. Dieses wird greifbar, vollkommen, über alle Maßen gebend sein.
Ein kluges Hirn hat einmal gepredigt, dass Leben Handeln voraussetzt. Nun sage ich, dass die Birne recht beschränkt sein muss. Das ist eine Aussage, die einem nur einfällt, wenn der Großteil alles Wahrnehmbaren verschlossen bleibt. Rationelles Denken blockiert das Leben. Es ignoriert nicht, nein, es tötet ab, was es nicht einmal wahrnimmt. Wie ein Amokläufer, der wahllos umher schießt und die eine oder andere verirrte Kugel einen unschuldigen Menschen trifft. Er sieht die Opfer nicht. Deshalb braucht man ihm auch nicht vorhalten, was er angerichtet hat, ihm die Opfer zeigen. Das ist sinnlos. Was uns da bleibt, ist einfach Mitleid, Trauer. Ratio ist ein armer Idiot, der großes Leid anrichtet, ohne sich darüber bewusst zu sein.

Der Mister fuchtelte wild mit den Armen umher, hieb mit dem Ellenbogen zur Seite, streckte Zeigefinger und Daumen, als hielt er eine Waffe in der Hand. Päng, päng... Verstehst du, was ich meine?

Wir haben das Glück zu Leben, ohne auch nur ein bisschen zu Handeln. Das vollkommenste aller bisherigen Leben tritt uns heute gegenüber. Und dem ist nur so, weil wir selbst nicht sind.
Da jede bewusste Sicht eines Dinges eine Täuschung ist, die nicht vom Objekt her, sondern durch die subjektive Haltung dem Objekt gegenüber bestimmt wird, unterlassen wir das bewusste Sehen. So bliebt uns die Täuschung fern und zum ersten Male wirst du erkennen, wie leicht das Leben sein kann. Nein, wie leicht das Leben tatsächlich ist. Glaube mir, da ich schon gelebt habe.

Als Mister Jimson Weed eine Sprechpause einlegte - Mann, aus ihm sprudelte es wie aus einem Geysir - vergegenwärtigte ich mir seine Worte. Fein, dachte ich mir, that´s the way I like. Stumm blieb ich dennoch. Ich machte mir Sorgen, ihn zu unterbrechen. Um nicht den wohltuenden Rhythmus seiner Worte abzuwürgen. Es war mir eine wärmende Symbiose aus dem, was er sagte und wie er es sagte. Kräftiger Atem, fein betont, Lautstärke und Geschwindigkeit beherrschend; dem allem eine Melodie gebend. Das schätzte ich an dem Mann. Er entführte einen, zog dich wie ein Abziehbild von der Wand des Lebens.

Für mich ist er der erste. Dessen bin ich mir ziemlich sicher. Der erste, das heißt, Adam und Eve kamen nach ihm. Zwei Kinder die er gebar und die vereint die Menschheit begründeten. Zwei Kinder aus der Beziehung des Geschwisterpaares. Mittlerweile weiß jeder, dass dadurch der Schwachsinn ins Blut gelangt. Glück, wenn es dabei bleibt. Könnte ja sein, keiner bemerkt es. Pech, wenn die lieben Nachfahren wie Mongo und Zombie aussehen. In unserem speziellen Fall wird es wohl ewig ein Geheimnis bleiben. Gesichert sind nur die Namen: Himmel und Hölle; der liebe Gott und der böse, böse Teufel. Die Chinesen wählen gewiss die erste Variante, aus Höflichkeit. Mir ist No. zwo eindeutiger. Das waren sie, aber eben erst nach dem Mister. Ein Abklatsch, zweite Sieger.
Deshalb empfand ich seine Gegenwart als First-Class-Trip.

Er lächelte ahnungsvoll.


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