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Der Fixer und die Oma
Autor: Toni Feller
Eingestellt am: 21.11.2003
Dieser Text im pdf-Format: Feller_Der-Fixer-und-die-Oma.pdf (28 kByte)
Seite 2 von 9

Aber dann sind da noch diese komischen Fratzen, denen scheinbar das Blut, extra rot, aus ihren Mäulern trieft. Und wenn man nahe genug dran ist, kann man Wörter wie „Diabolo“ und Destroyer“ lesen. Teufel und Zerstörer also. Das passt zu ihm und zu der Meinung jener Stammtischler. Dann sind da noch seine Schuhe. Es sind eigentlich gar keine Schuhe, sondern Stiefel. Schwarz natürlich und mit dermaßen schief abgelaufenen Absätzen, dass ein normaler Mensch damit nicht mehr gehen könnte. Und erst diese Frisur! Lange, strähnige Haare, die aussehen, als ob sie in den letzten zwanzig Jahren nicht mehr gewaschen und schon gar nicht geschnitten worden wären.

Als es gar nicht mehr ging, zwischen ihm und seiner „Stiefmutter“, kam es Heiko gerade recht, dass ihm sein Vater das Angebot machte, für ihn eine Wohnung zu besorgen und ihm künftig, solange er kein eigenes Geld verdienen würde, die Miete und ein gutes Taschengeld zu bezahlen.
Er selbst glaubte, die Zeit wäre reif von zu Hause wegzugehen. Schließlich war er zwischenzeitlich volljährig geworden. Knapp neunzehn war er damals. An ein Studium war nicht zu denken. Wie auch, mit diesen Abschlussnoten? An einen Beruf? Das musste reiflich überlegt sein.
Die kleine Wohnung in einem achtstöckigen Betonsilo am Ortsrand gefiel ihm zunächst „tierisch“. Später erinnerte ihn das Haus immer an einen Hasenkäfig. Aber endlich tun und lassen können, was man wollte, das war schon ein geiles Gefühl.

Zu diesem Zeitpunkt rauchte Heiko bereits regelmäßig Haschisch. Auf dem Gymnasium fing das schon an, kurz nach dem Tod seiner Mutter.
In seinen eigenen vier Wänden konnte er jetzt aber endlich so viel „kiffen“ wie er Lust hatte. Daheim bei Vater, durfte er sich das nicht trauen. Der Alte hätte ihn sicher windelweich geschlagen, wenn er ihn erwischt hätte.
In seine neue Wohnung nahm Heiko natürlich auch Mädchen mit. Aber mit keiner haute es so richtig hin. Bis er Yasmin aus dem Nachbarort kennenlernte. Es war Liebe auf den ersten Blick. Jedenfalls meinte er das. Als Heiko dann seinen ersten Antrittsbesuch bei Yasmins Eltern machte und ihr Vater ihn in seiner eigenwilligen Kleidung von unten bis oben musterte, war die junge Flamme der Liebe erstickt, bevor sie richtig zu brennen begann.
Um seinen Kummer einigermaßen zu ertragen, gab Heiko eine Party nach der anderen. Und auf einer dieser geschissenen Feten drückte er zum ersten Mal. So nennt man das, wenn man sich Heroin spritzt. Ein Kumpel, der in Wirklichkeit keiner war, das stellte Heiko aber erst später fest, schenkte ihm den ersten Druck, die erste Injektion. Er half ihm auch noch die Spritze aufzuziehen und richtig an die Vene zu setzen.

Seitdem kommt Heiko von dem Zeug nicht mehr los. Der „Kumpel“ versorgt ihn natürlich heute noch fleißig mit Stoff. Für gutes Geld, versteht sich. Schon längst reicht das Taschengeld nicht mehr, das sein Vater ihm regelmäßig überweist. Dreihundert Piepen kostet das alles betäubende, alles hinweg schiebende weiße Pulver pro Tag. Kein Pappenstiel. Die Knete muss irgendwie beschafft werden. Heiko geht deshalb in die Stadt. Dort bekommt er den Stoff, nach dem sein Körper Tag und Nacht schreit, und dort besorgt er sich auch das Geld dafür. Er macht einfach alles, nur um an Kohle zu kommen: Einbrüche, alten Frauen die Handtasche wegreißen und selbstverständlich auch ein wenig dealen. Wenn manchmal gar nichts mehr geht, stiehlt er in Kaufhäusern, was nicht niet- und nagelfest ist. Meistens setzt er seine Beute gleich in Stoff um.
Er wurde bei einem Einbruch auch schon erwischt. Drei Monate saß er im Knast. Aus dieser Zeit stammen seine Tätowierungen.
Oft ist es schon spät nachmittags bis er heimkommt und sich endlich seinen Schuss setzen kann. Er ist jedesmal fix und fertig, bis es soweit ist. Aber danach, nach dem Schuss, vergisst er das ganze Elend auf dieser Welt; bis sich nach ein paar Stunden wieder langsam der Entzug bemerkbar macht. Mitten in der Nacht muss er dann ein zweites Mal drücken. Da reicht aber nur die halbe Portion. Wie lange noch?



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