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Der Fixer und die Oma
Autor: Toni Feller
Eingestellt am: 21.11.2003
Dieser Text im pdf-Format: Feller_Der-Fixer-und-die-Oma.pdf (28 kByte)
Seite 9 von 9

„Ja, überleben muss sie“, denkt Heiko. „Alles andere ist jetzt unwichtig.“ Und er redet auf dieses Häufchen Elend ein, das da vor ihm im Bett liegt und dem Tod näher als dem Leben ist, weiter, immer weiter. Irgendwann, als er eine kleine Pause macht, um einmal richtig durchzuatmen, hört er den Arzt wie aus weiter Ferne sagen: „Alle Achtung, junger Mann! Ich glaube Sie haben eine kleines Wunder vollbracht. Es ist unglaublich, aber ich denke, die alte Dame könnte es noch einmal schaffen. Reden Sie weiter, reden Sie, so lange sie nur können. Wenn Sie durchhalten,...“ „Ganz bestimmt schafft sie es, ich bin mir absolut sicher. Heiko spürt wieder diesen Kloß im Hals und versucht, sich zusammen zu nehmen.
„Mein Gott, Sie zittern ja am ganzen Körper. Sind Sie etwa auf Entzug?“ Heiko nickt und beißt sich auf die Unterlippe. „Wenn Sie damit einverstanden sind, gebe ich Ihnen eine Beruhigungsspritze. Das wird eine Zeit lang helfen.“ Ohne den Arzt anzusehen nickt Heiko abermals.

Schon wenige Minuten nach der Injektion geht es ihm besser. „Haben Sie schon einmal an eine Therapie gedacht?“ „Eigentlich nicht, Herr Doktor. Für was auch und für wen? Es kam mir alles so sinnlos vor.“ „Sinnlos? War das etwa sinnlos, was Sie in den letzten zwei Stunden hier gemacht haben? Frau Wassmer braucht Sie, das sehen Sie ja selbst. Und ich glaube, dass auch Sie ihre Oma noch brauchen! Habe ich recht?“ „Ja, meine Oma“, denkt Heiko und nickt nur.

„Wenn Sie möchten, werde ich gleich morgen einen Kollegen anrufen. Vielleicht können wir einen Therapieplatz für Sie bekommen. Bis die Patientin wieder auf den Beinen ist, müssten Sie allerdings noch durchhalten. Frau Wassmer braucht sie momentan mehr, als alles andere auf der Welt, mehr als Sie sich das überhaupt vorstellen können.“

Heiko zieht aus seiner Hosentasche ein zerknülltes Papiertaschentuch und putzt sich seine ewig verstopfte Nase. Dann atmet er noch einmal kräftig durch und sagt: „Ich schaffe das schon, Herr Doktor. Darauf können Sie sich verlassen. Heute habe ich zum ersten Mal gespürt, für was ich überhaupt da bin.“

Und zur Frau Wassmer: „Mensch Omichen, ist das vielleicht ein Geburtstag. Ich habe mir unsere Fete aber anders vorgestellt. Das mit dem Sekt und dem Kaviar ist auch in die Hose gegangen. Wenn einmal der Wurm drin ist! Macht nichts. Kopf hoch, auch wenn der Hals noch so dreckig ist. Jetzt ruhe dich erst mal aus. Morgen, morgen scheint wieder die Sonne, das garantiere ich dir. Wir holen später alles doppelt und dreifach nach, verlasse dich darauf. Keiner wird uns davon abhalten.“
Kaum hat Heiko das letzte Wort ausgesprochen, spürt er wieder, wie sich die dünne, zierliche Hand, die er die ganze Zeit nicht los gelassen hat, zwei- dreimal kaum merklich bewegt.




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