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Die Bestätigung des Ungewissen
Autorin: Lareen Röhrig
Eingestellt am: 08.05.2003
Da stehe ich nun, in dem gepflegten mittelständischen Wohnzimmer vor diesem Mann. Der mich mit großen, rotgeränderten Augen anschaut. Ob er denn nun mitkommen müsse, fragt er mich.
Im Stillen denke ich: Na und ob du mitkommen musst, armer Teufel. Schau dich doch an: Hast versucht, deinem Leben ein Ende zu setzen und stehst nun vor mir, ratlos, unruhig.
Schnittwunde am Hals. Das Blut ist schon schwarz angetrocknet. Deine Pulsadern, die du falsch angegangen hast, sind abgebunden...von deiner Frau.
Neben dir steht dein Freund, der hat dich gesucht und gefunden.

Ja, er müsse wohl mitkommen, erkläre ich ihm mit lauter Stimme. Auch, dass er den Rest der Nacht wahrscheinlich nicht zu Hause verbringen wird.

Bevor wir gehen, werfe ich einen kurzen Blick zu meinem Kollegen, um seine Gedanken abzuschätzen. Doch die kann ich in seinen Augen nicht lesen. Wie immer strahlt er etwas Kälte aus. Erst in ein paar Stunden werde ich ihn nach seiner Meinung fragen, das ist besser.

Der Mann zieht noch einen warmen Pullover an, und er braucht lange, bis er die richtigen Schuhe ausgesucht hat. Kleiner Alltagsmoment. Den lassen wir ihm. Wir haben Zeit, und es eilt nichts. Der Nachtdienst endet in drei Stunden, da kann ich noch viel schreiben.

Zum Abschluss putzt die Frau ihm noch kurz die Schuhe. Sie will, dass ihr Mann ordentlich aussieht. Mich wundert nichts mehr, bei Ausländern kommt das vor.


Der Mann redet mit mir. Er will wissen, wie er morgen seine Termine einhalten soll, wenn er doch weg sei. Und überhaupt, wo er denn morgen sei? Müsse er ins Krankenhaus oder in die Klapse? Warum eigentlich? Er wollte sich doch nur umbringen. Das könne er doch jederzeit wieder versuchen. Man könne ihn ja nicht vor sich selbst einsperren.

Recht hat er, aber das sage ich nicht. Wofür auch? Heute Nacht kannst du nichts mehr anstellen, denke ich mir. Dann frage ich ihn, warum er sich denn umbringen wollte.

Mit großen Augen schaut er mich wieder an, als ob ich schon alles wissen müsste, wird ganz leise und sagt, dass er nun schon alt sei, seit über 30 Jahren mit seiner Frau verheiratet. Seine Frau will nicht mehr, will ihn nicht mehr. Aber was solle er machen, wenn sie es aufgegeben hat, seine Frau zu sein?
Nach Hause kommen, allein zu sein? Er seufzt, so ein Leben könne er sich im Alter nicht vorstellen.
So ein Leben. Damit habe er nie gerechnet. Unmöglich, das zu akzeptieren.

Ich bin still und er hat Recht. Ich hoffe, dass meine Kollegen im Revier die Klappe halten und einmal die üblichen Kommentare für sich behalten, wenn sie ihn sehen.

Ich wünsche, dass seine Frau bei ihm bleibt.

Mehr kann ich nicht tun.


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Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
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