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Autor: Harald Kratzel
Eingestellt am: 26.10.2008
Du bist gegangen, ohne dass ich die Möglichkeit gehabt hätte, mich von Dir zu verabschieden, gegangen für immer, unwiederbringlich. Was ist mit den Plänen, die ich für uns beide noch hatte, Deinem ersten Besuch im Kindergarten, die Tränen zum Abschied, das Lachen zur Begrüßung, den ersten Schultag mit stolzem und zugleich glücklichem Gesicht, der ersten schlechten Note, dem Stress, den wir bei einem gemeinsamen Memoryspiel in Glück umgewandelt hätten, weil ich - wie immer - hoffnungslos verloren hätte und Du über mich hättest lachen müssen, was ist mit dem ersten Liebeskummer, bei dem ich Dir vermutlich nicht in der erwarteten Form hätte helfen können, aber doch an Deiner Seite gestanden hätte, unserem ersten Streit, bei dem ich Dich ungerecht behandelt hätte und Du vor lauter Verzweiflung und hilfloser Wut Tränen in den Augen gehabt hättest, dem Verzeihen danach, was ist mit meiner Freude, meinem Stolz am Tag Deines Schulabschlusses, wenn Du zusammen mit Deinen Kameraden auf der Bühne stehst, ich mit Stolz geschwellter Brust und glücklichem Herzen applaudiere, Du freudestrahlend Dein Zeugnis entgegennimmst, was ist mit den anderen Plänen, die ich längst durchdacht, die ohne Dich aber sinnlos, an deren Verwirklichung ich aber zu keinem Zeitpunkt gezweifelt hatte, die Zeit allein den Takt vorgegeben hätte, die Zeit, die jetzt nicht mehr zu Verfügung steht, da Du nicht mehr bist, herausgerissen aus dem Leben zu einem unmöglichen, absolut nicht hinnehmbaren Zeitpunkt. Allein meine Pläne, allesamt unerledigt und nunmehr unerfüllbar, bleiben zurück und meine Erinnerungen, die mir das Herz zerreißen, so frisch und unmittelbar, die Angst davor, dass sie verblassen, gleichzeitig die Hoffnung, dass sie es tun, um den Schmerz erträglicher zu machen. Dein Zimmer ist noch so, wie Du es verlassen hast, wie immer. Deine abgelegte Wäsche riecht noch nach Dir, das ganze Zimmer, die ganze Wohnung ist voll mit Dingen, die Du eben noch benutzt und demnächst wieder benutzt hättest, ich aus diesem Grund auch immer dort beließ, jetzt auf einmal ohne Sinn, nutzlos, ihrer Verwendung beraubt. Bin unfähig, sie aufzuräumen, das wäre wie Dich erneut gehen zu lassen, Dich erneut aus meinem Herzen zu reißen, endgültig unser gemeinsames Band zu zerschneiden, Dich von mir zu trennen.
Ich will das nicht, will die Erinnerung an Dich, aber ohne den Schmerz, der mich zu zerreißen droht, will an Dich denken ohne zu weinen, will mich an der Erinnerung erwärmen, will wieder mit Dir in den Alltag zurück, ohne Dich zu vergessen, habe Angst, dass es passiert, Angst, es nicht zu bemerken, Dich aus den Augen zu verlieren, Angst, dass die Erinnerung verblasst, ich mich nicht mehr an Dein Lachen, Deinen Zorn, Deine Liebe, an Dich erinnern kann, muss aber loslassen, will nicht selbst für die Lebenden zum Toten werden.
Ich werde Dich in meinem Herzen einschließen, es zu unserem Herzen machen, ohne Wehmut, ohne Klagen, in Momenten der Ruhe unserem Herzen lauschen, mich an seinem Rhythmus, seiner Kraft erfreuen, in dem Wissen, dass wir untrennbar eins sind, werde geduldig und froh mein Leben leben im sicheren Wissen, am Ende wieder ganz zu Dir zu finden.


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