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Was bleibt
Autor: Jens Mayer
Eingestellt am: 21.02.2003
Wenn du erschossen wirst, dann ist das nicht unbedingt schmerzhaft. Weniger noch von großer Dauer. Vielmehr bleibt dem Gehirn nur die Zeit zur Feststellung, dass da etwas ist, was nicht hingehört. Mehr nicht. Nur das Feststellen. Ich sage das aufgrund eigener Erfahrung und auch nur deshalb, um meine momentane Situation zu erläutern.

Ich shoppe. Gerade als ich die Kohle für den Stoff übergebe, auf den ich schon seit langem gespart hatte, trifft mich das Ding. Einen Schuss höre ich nicht. Rechne nicht im Entferntesten mit dergleichen. Aus welcher Richtung kam das Geschoss, von dem ich weder Kaliber noch Bauart kenne? Über Schütze und Motiv kann ich nur Vermutungen anstellen.
Alles in allem stelle ich also fest, dass ich hier liege. Eine unglückliche Situation, die sich nicht mit meiner Vorstellung eines langen, glücklichen Lebens deckt. Das Gesicht im Schmutz der Straße. Auch die Hände, die ich mir nach jeder Wäsche eincreme. Das brauche ich nun nicht mehr zu tun.
Stirbt jemand in einem Gebäude, so öffnet man das Fenster, sobald der Tod festgestellt wurde. Damit will man der Seele das Entweichen ermöglichen. Der Tode kann daraufhin in Frieden ruhen. In meinem Fall ist das nicht von Nöten. Wessen Körper auf der Straße liegt, dessen Seele hat keine Platzprobleme. Außerdem habe ich ja nun diese unnötigen Löcher in Brust und Rücken. So hat meine Seele freie Wahl, ob sie nun durch den Haupteingang entweicht oder doch den Weg über den Lieferanteneingang nimmt. Mir ist dies, gelinde gesagt, scheißegal.
Ich liege hier mit ganz anderen Sorgen, welche objektiv betrachtet dennoch gerade an Gewicht verlieren. Das Objektive ist aber nur die eine Seite. Das Subjektive, und in dieser Kategorie ist es mir eben nur zu denken möglich, ärgert sich maßlos über den Ist-Zustand. Bin ich doch ein blöder Hund! Ein Dummkopf ohne gleichen! Nicht einmal fähig, mich so hinzulegen, dass ich nicht wie ein jämmerlicher Waschlappen aussehe, der gerade erschossen wurde. Gesicht nach unten und den Arsch in die Höh, das ist mir eine Sorge!

Ich ärgere mich in den kommenden Tag, diesen und noch drei, vier weitere hindurch. Mir scheint es nicht so, dass der Ärger nachlassen würde. Zwischenzeitlich deprimiert es mich gar, dass dieser Drecksack mit meiner Kohle weg ist. Nicht einmal den Stoff hat er mir gelassen. Meinen Job werde ich ebenso los sein. Bestimmt, den mein Boss war eh schon seit längerem nicht mehr sonderlich gut auf mich zu sprechen. Mein Kanarienvogel. Ich mag gar nicht daran denken. Das Vieh gibt sicherlich nicht mehr Töne von sich als ich.

Ich muss feststellen, dass die Körperstellen, mit denen ich auf der Straße aufliege, beständig dunkler werden. Da mein Kreislauf nicht mehr im Kreis läuft, sackt das Blut ab. Insgesamt ist meine Erscheinung kein schöner Anblick, wobei ich meine, dass Schönheit relativ ist, ich mich dennoch bei der Definition an allgemeingültigen Werten orientieren muss und ich mir somit dieses Eingeständnis abverlange.



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