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Was wäre wenn?
Autor: Lars Brand
Eingestellt am: 01.05.2007
Es war ein normaler Tag “auf der Gasse”. Das Leben köchelte vor sich hin. Keine besonderen Vorkommnisse. Nichts, was einen aus der Ruhe bringt. Die üblichen Verfehlungen der Menschheit belasten nicht weiter. Der Vorabend verging ebenso. Chicken Wings zum Abendfrühstück, danach wieder los. Gegen sieben geschah es dann. An der Straßenbahnhaltestelle saß er. Eindeutig obdachlos, fahl und betrunken. Er saß nur da und erregte dennoch im Vorbeifahren kurz unsere Aufmerksamkeit. Ein, zwei Sätze darüber und wir waren an der nächsten Ampel und beim nächsten Thema.
30 Minuten später befuhren wir zufällig die gleiche Straße. Die Haltestelle der Straßenbahn war leer, dafür hatte er sich weiterbewegt zur anliegenden Bushaltestelle. Die Sonne und der Alkohol hatten ihn gezeichnet. In dieser Gegend nichts Ungewöhnliches, wussten wir. Man sah hier nur solche Personen. Um alle konnte man sich nicht kümmern, er tat ja keinem etwas und man kann diese Menschen auch einmal in Ruhe lassen, dachte ich mir. Ein kurzer Moment, sah er mich an? Ich hatte mich getäuscht, glaube ich. Egal. Wir waren bereits vorbei und drei Jugendliche mit Spraydosen erregten unsere Aufmerksamkeit.
Gegen kurz nach acht dann der Funkspruch: Bahnunglück. Wir waren verfügbar und gleich um die Ecke. Am Bahnhof selbst alles ruhig, nur 500 Meter davor stand ein Zug. 300 Meter weiter trafen wir zeitgleich mit der Feuerwehr am Unglücksort ein. Da lag er. Wahrscheinlich auf Grund Trunkenheit entlang der Bahnlinie geschwankt und erwischt worden. Exitus. Ganze 400 Meter weiter bis zur S-Bahn-Strecke hatte er es geschafft. Dann setzte die S-Bahn seinem Zeitlichen ein Ende.
Abhandeln der Fakten, Befragungen, Ersthelfer, Zugführer, Feuerwehr, Passanten, Absperrung, Evakuierung, KDD, Abschlussbericht schreiben. Noch einen Tee mit den Kollegen vom Nachbarrevier und ab nach Hause.
Der Schlaf wollte nicht so recht zur mir kommen. Zwar drängte ich mich ihm auf, doch die eine Frage ohne Antwort hämmerte mir durch den Kopf: Was wäre wenn? Ist es wirklich die eine Entscheidung, die die Wendung des Schicksals bestimmen lässt? War es die Fügung oder war es, wie mancherlei atheistische Theoretiker behaupten, die nicht gelesene Nachricht das Schicksal zu beeinflussen? Ist es tatsächlich eine Entscheidung zu einer Handlung oder Unterlassung in so kleiner Form, die die absolute Konsequenz bedeuten kann oder soll? Ich weiß es nicht. Ich wollte ihm nur die Ruhe gönnen.


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