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Augenblicke
Autor: Robert(a) Zimmermann
Eingestellt am: 10.01.2007
Als junger Schutzmann auf dem Streifenwagen erhielten wir den Einsatz:
„Fahren Sie in die Schillerstraße, dort ein Verkehrsunfall mit Personenschaden!“
Wir bogen in die eng beparkte Seitenstraße ein und sahen von weitem schon eine kleine Menschentraube vor einem mittig auf der Straße stehenden, großen Pkw.Beim näher kommen sah ich, dass sich die umstehenden Menschen mit vor Schreck geöffneten Augen die Hände auf die Münder pressten. Es musste etwas Schlimmes passiert sein.
Wir sicherten den Unfallort mit dem Streifenwagen hinter dem großen Pkw. Ich stieg aus und ging an ihm entlang zur Vorderseite. Ein sehr schlimmes Bild.
Ca. drei Meter vor dem Pkw lag ein Kind, welches noch nicht einmal mehr schreien oder weinen konnte, sondern nur noch wimmerte und hechelte. Unweit davon lag ein demoliertes Kinderfahrzeug.
Keiner der Umstehenden war bereit oder in der Lage, sich in irgendeiner Form zu bewegen. Nur eine einzelne Frau klammerte sich schluchzend und heulend an einen Mann.
Das Kind sah mich wie mit den weit aufgerissenen Augen eines waidwunden Tieres an.
Sie flehten mich an, flehten mich richtig an:
„Hilf´ mir, bitte hilf´ mir doch!!! Ich hab´ doch niemandem etwas getan!!! Warum bestraft mich der liebe Gott so sehr?!? Oh, warum?!? Ich habe doch keinem etwas getan!!! Hilf´ mir bitte - bitte bitte bitte hilf´ mir doch!!! Du siehst mich doch, Du bist doch hier!!! Es tut so weh!!!!!“
Ich konnte nicht anders. Ich kniete mich nieder und legte mich dann neben das Kind auf das Kopfsteinpflaster und streichelte sein Gesicht. Instinktiv und aus meiner eigenen Hilflosigkeit heraus hätte ich es am liebsten in meine Jacke genommen, geknuddelt, ihm Wärme, Geborgenheit, Sicherheit und Schmerzfreiheit gegeben, was natürlich nicht möglich war.
Aber die Augen des Kindes sagten mir in diesem Moment, dass es dankbar war, nicht mehr alleine und in dieser Situation von allen verlassen worden zu sein. Ich hatte das Gefühl, dass es den Trost, den ich -der Fremde und dazu auch noch Uniformträger- ihm geben wollte, gespürt hatte und mehr als willkommen hieß!!!
Es umkrampfte zitternd mit seiner kleinen Hand meine Finger, als ob es mich nie wieder loslassen wollte, las mir förmlich die Worte von meinen Lippen
„…dass alles wieder gut werden wird und dass ganz ganz schnell ein Doktor da sein wird, der alles wieder gesund macht.…“
Diese schmerzgepeinigten, panischen, und doch gleichzeitig tiefe Dankbarkeit ausdrückenden Augen des Kindes werde ich jedenfalls nie vergessen.
Vielleicht war es auch „nur“ das Bedürfnis des Kindes nach der direkten Nähe eines Menschen, die es in diesem Moment gebraucht und auch bekommen hatte.
Glücklicherweise kam der Rettungswagen ziemlich zeitig, Die Sanitäter luden das Kind mittels einer Trage ein und transportierten es in ein Krankenhaus.
Als ich dann den Kopf hob und mich umdrehte, grinsten mich Stoßstange, Kühlergrill und Scheinwerfer des großen Pkw förmlich hämisch grinsend und schadenfroh an!
In diesem Moment sah ich keinen Pkw vor mir, sondern eine fürchterliche Waffe, die irgendjemand bekommen hatte und mit der er nicht umgehen konnte….
Ich habe schon einige Dienstjahre hinter mir, aber ich möchte nie wieder solch eine Situation erleben müssen, in der ein schwaches, hilfebedürftiges und wehrloses Leben Opfer von „automobilen Monstern“ oder gar menschlichen Unwesens wird!
Ich hatte mich nach dem Einsatz nicht nach dem Gesundheitszustand des Kindes erkundigt.


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