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Polizei
Allein mit einer Leiche
Autor: Hans-Peter Stepanik
Eingestellt am: 07.01.2007
Seite 2 von 3

Die Kollegen des Verkehrsdienstes aus Heidenheim, die für solch schweren Unfälle zuständig sind, trafen kurze Zeit nach uns ein.

Während diese beiden Kollegen den Traktorfahrer befragten, fotografierten mein Dienstgruppenführer und ich die Unfallstelle in allen Einzelheiten. Mein Kollege bediente die Kamera, ein etwas älteres Modell, und ich musste mit dem separaten Blitz, der mit einem langen Kabel mit der Kamera verbunden war, an verschiedenen Stellen die Leiche, die Spuren, den Stand der Fahrzeuge und sonstige Einzelheiten ausleuchten. Es war grauenhaft, vor allem, weil ich mich der Toten dichter als mir lieb war, nähern musste.

Ich war froh, dass die beiden Beamten des Verkehrsdienstes die Aufgabe übernahmen, die Leiche anschließend auf das Bankett zu ziehen, bis der Leichenwagen eintreffen würde.

Das Drama, das sich dann vor unseren Augen abspielte, war allerdings fast noch schlimmer, als die Unfallsituation selbst. Der Vater der Verunglückten hatte irgendwie in der Nachbarschaft von dem Unfall gehört und war sofort an die Unfallstelle geeilt. Er ging neben dem leblosen Körper seiner Tochter zu Boden und schrie seinen ganzen Schmerz in die Nacht. "Warum? Mein Kind! Meine Tochter!" – er haderte mit Gott und der Welt. Seine Schreie gingen mir durch Mark und Bein. Er musste schließlich fast mit Gewalt von der Toten getrennt werden und wurde von Kollege N. im Streifenwagen nach Hause gebracht.

Noch immer unter Schock stehend fuhr der Landwirt nach seiner Vernehmung mit dem Traktor nach Hause. Noch heute frage ich mich, warum das niemand verhindert hat. Er hätte in diesem Zustand niemals selbst nach Hause fahren dürfen.

Jetzt war die Straße wieder frei. Das Fahrzeug war weg, die Leiche lag auf dem Bankett. Die Fahrbahn musste noch gereinigt werden – und das war meine Aufgabe. Mit einem Besen, wie er in jedem Streifenwagen mitgeführt wird, begann ich also, die Straße zu kehren. Dabei überkam mich immer wieder ein kaum zu bezwingender Brechreiz! Unzählige Male musste ich mit dem Besen ansetzen, um alles von der Fahrbahn zu be-kommen.

Die Kollegen aus Heidenheim waren zwischenzeitlich mit ihrer Unfallaufnahme fürs erste fertig. Die Vermessung und die Unfallskizze wollten sie am nächsten Tag erledigen. Sie verabschiedeten sich von mir und beauftragten mich, bei der Leiche zu bleiben bis der Leichenwagen eintreffen würde.

Da stand ich nun, alleine, ohne Streifenwagen, nur mit einer Taschenlampe, neben einer Leiche, in völliger Dunkelheit. Nur wenige Autos kamen vorbei und die Zeit dehnte sich endlos bis der Leichenwagen eintraf. Die Bestatter stellten ihren Blechsarg neben der Toten ab und hoben die Leiche hinein. Mit bloßen Händen griff einer der drei nach den herumliegenden Überresten und warf sie dazu. Ich war froh, als der Blechdeckel ver-schlossen und der Sarg im Leichenwagen untergebracht war.

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