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Polizei
Allein mit einer Leiche
Autor: Hans-Peter Stepanik
Eingestellt am: 07.01.2007
Auf der Polizeiwache in Giengen wurde ein schwerer Verkehrsunfall gemeldet; eine Bäuerin sei vom Traktor gefallen und vom Anhänger überrollt worden, hieß es in dem Notruf. Während vom Wachhabenden, Polizeimeister D., unverzüglich der Krankenwagen verständigt wurde, fuhren mein Schichtführer, Polizeimeister N., und ich - damals noch Polizeioberwachtmeister - im alten VW-Kombi mit Blaulicht und Martinshorn auf dem schnellsten Wege in Richtung Unfallstelle.

Dies war mein erster schwerer Unfall und so war ich ziemlich aufgeregt und zittrig. Alle möglichen Gedanken schwirrten mir durch den Kopf und ich rechnete vorsichtshalber mit dem Schlimmsten. Ein flaues Gefühl machte sich in meinem Magen breit.

Die Unfallstelle befand sich auf freier Strecke, etwas unterhalb der "Hürbener Kreuzung", die auch als "Todeskreuzung" bekannt war. Sie lag an diesem frühen Herbstabend bereits in völliger Dunkelheit, Straßenbeleuchtung gab es nicht.

Kurz vor Beginn einer Steilstrecke stand der Traktor mit Anhänger. Der Hänger war schwer mit Futterrüben beladen. Wie sich im Rahmen der Ermittlungen herausstellte, hatte der Landwirt, der um die 45 Jahre alt war, am Abend noch eine Ladung Futterrüben einfahren wollen. Seine 35-jährige Frau, Mutter von drei kleineren Kindern, war mitgefahren, um ihm zu helfen. Auf der Rückfahrt wollte die Bäuerin vor dem Gefälle vom Traktor aus die Anhängerbremse anziehen, und um das Gespann nicht außer Kontrolle geraten zu lassen. Ob sie sich von ihrem Sitz weit nach hinten gebeugt hatte oder auf die so genannte Ackerschiene geklettert war, um den Bremshebel auf der Anhängerdeichsel erreichen zu können, war im Nachhinein nicht mehr zu klären.

Sie stürzte zwischen Zugmaschine und Anhänger auf die Straße und das linke Vorderrad des schweren Anhängers überrollte ihren Kopf. Ihr Mann hielt das Gespann sofort an, für die Frau kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Nachdem mein Kollege N. und ich die Unfallstelle abgesichert hatten, bot sich uns ein grauenvolles Bild: Zwischen den beiden Achsen des Anhängers lag der Körper der Bäuerin; ihr Ehemann stand hilflos daneben und stand offensichtlich unter Schock. Der Kopf der Frau sah aus, als ob er mit großer Wucht auf der Straße zerschellt wäre, vergleichbar mit einem zerplatzten Kürbis. Knochensplitter, Gewebeteile und Hirnmasse waren in einem Umkreis von eineinhalb Metern zerstreut - und überall Blut.

Ich war total fertig, konnte keinen klaren Gedanken fassen. In der Dunkelheit und der blitzlichtartigen Beleuchtung unseres Blaulichts wirkte alles nur umso gespenstischer.

Mein Kollege wies mich an, zusätzlich mit meiner Taschenlampe herannahende Fahrzeuge zu warnen. Er selbst nahm den Traktorfahrer mit in unseren Streifenwagen, damit er erst einmal versorgt war. Gleichzeitig forderte er über Funk einen Arzt an, der den Tod der verunglückten Frau feststellen und dann den Totenschein ausstellen musste. Außerdem beauftragte er Kollegen D. auf der Wache, das Bestattungsinstitut zu verständigen, damit von dort ein Leichenwagen geschickt würde.

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