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Polizei
Allein mit einer Leiche
Autor: Hans-Peter Stepanik
Eingestellt am: 07.01.2007
Seite 3 von 3

Mein Dienstgruppenfhrer kehrte kurz vor Abfahrt des Leichenwagens zurck und packte wortlos mit mir Absicherungsmaterial und den Besen ein. Ich war froh, mich im Moment mit niemandem unterhalten zu mssen - ich hatte mit mir selbst genug zu tun!

Verwirrt und erschpft blieb ich einfach hinten im Fahrzeug sitzen, wo die Heizung am besten sprbar war. Erst jetzt bemerkte ich, wie kalt mir war. Und noch etwas anderes bemerkte ich mit der Zeit: einen sonderbaren Geruch, der immer intensiver wurde. Schnell wurde mir klar, dass es sich um die Reste handelte, die an unserem Besen hingen und sich nun in den Heizungsluft erwrmten. Mir wurde mit jedem Meter, den wir fuhren, immer bler, fast htte ich nicht mehr bis zur Dienststelle durchhalten knnen. Ich war froh, als ich endlich aussteigen und frische Luft atmen konnte.

Auf der Wache meinte Kollege D.: "Das geht schon wieder vorbei, Kleiner! Was glaubst Du, was wir frher alles aushalten mussten, da hat uns keiner gefragt! Deshalb wirst Du diese Sache auch berleben!" Vom ersten Tag an sagte er "Du" zu mir, whrend mein etwa ein Jahr jngerer Schichtfhrer mich grundstzlich mit "Sie" und meinem Familiennamen ansprach.

Letzterer sagte lediglich zu mir: "Dieser Unfall war doch nicht so schlimm. Da gibt es Schlimmeres. Daran mssen Sie sich gewhnen, sonst gehen Sie ganz sicher irgendwann vor die Hunde, Herr Kollege!"

Welche der beiden "trstenden" uerungen mich nun tatschlich mehr wieder ins Lot gebracht haben oder ob sie mir berhaupt helfen konnten, vermag ich heute nicht mehr zu sagen.

Als ich nach dieser Nacht nach Hause kam, konnte ich zunchst nicht einschlafen. Danach schreckte ich immer wieder aus wirren Trumen hoch - hatte stndig die Bilder dieses schrecklichen Erlebnisses vor Augen und das herzzerreiende Jammern des Vaters in den Ohren. Tagelang, wochenlang besserte sich dieser Zustand kaum, und ich hatte unglaubliche Angst vor dem nchsten Verkehrsunfall.


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Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
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