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Dino, ich kann das nicht!
Autor: Wolfgang Sahmel
Eingestellt am: 06.01.2007
Ich bin Dienstgruppenleiter einer Wache auf dem Land. Meine Dienstgruppe umfasst insgesamt vierzehn Leute, davon vier Frauen. Wir haben ein tolles Verhältnis zueinander, der Dienst macht uns trotz aller Schwierigkeiten Spaß. Meine Truppe nennt mich liebevoll „Dino“ was nicht nur meinem Gemüt, sondern auch meinen körperlichen Ausmaßen entspricht.

Das schöne Wetter an diesem Freitagnachmittag lässt uns auf einen ruhigen Dienst hoffen. Für die drei Städte, die wir zu betreuen haben, sind heute drei Streifenwagen vorgeplant: Wolfgang (45) und Kathrin (23), Guido (45) und Sonja (25) und Dominik und Laura (beide 24). Dazu komme dann noch ich mit meinen 48 Lenzen und Isabell, eine junge Jurastudentin, die heute bei Guido und Sonja im Rahmen ihres Praktikums mitfahren darf (es ist ihr letzter Tag bei uns); auf der Wache als Wachdienstführer ist Stefan „Peppy“ (38).

Der Tag fängt recht locker für uns an, das übliche Einsatzgeschehen, ohne größere Aufregung – allerdings nur bis 16.30 Uhr! Ich erhalte einen Anruf der Leitstelle, ein Kind ist in eine Regentonne gefallen, mehr ist noch nicht bekannt. Rettungskräfte sind vor Ort, ein Streifenwagen eingesetzt.

Ich haste aus der Wache zu meinem Streifenwagen, mir gehen viele Gedanken durch den Kopf: gut zwanzig Kilometer bis zum Einsatzort - Schrebergartenanlage - Sonja und Guido auf dem Wagen - auch wenn Sonja noch jung ist, doch zwei erfahrene Leute, gut so - Isabell mit dabei - hoffentlich wird es für sie nicht zu hart! Ich brause los. Unterwegs erhalte ich über Funk neue Meldungen. Es handelt sich um ein einjähriges Kind, der Notarzt reanimiert, 11/28 trifft ein.

Ich komme fünf Minuten nach dem ersten Streifenwagen an. Auf dem Parkplatz vor der Gartenanlage steht verloren Isabell und schaut mich mit großen Augen an. Schaulustige beginnen sich zu versammeln, die Gartenanlage ist bei diesem Wetter gut besucht. Mist! Ich wechsele zwei, drei Worte mit Isabell, die ist hier an dem Auto gut aufgehoben. Jenseits einer Hecke sehe ich die Jacken der Rettungssanitäter und Guido, der mir knapp zuwinkt. Plötzlich kommt Sonja aus dem kleinen Weg zu den Gartenparzellen auf mich zu. Ihr Gesicht ist gerötet, sie schwankt, weint haltlos und fällt mir geradezu in die Arme. "Ich kann das nicht Dino, es tut mir leid, ich kann das nicht!"

Da fällt mir siedendheiß ein, dass Sonja selbst einen Sohn in dem Alter hat. Ohne zu wissen, was sie gesehen hat, führe ich sie zum Streifenwagen, setze sie hinein. Isabell drückt mich geradezu weg, sagt, sie kümmere sich, ich solle gehen. Was für ein starkes Mädchen! Ich sage nur noch, dass sie gegebenenfalls laut rufen solle, ich käme sofort, Wolfgang und Kathrin müssten gleich da sein. Dann laufe ich zu dem Ort, von dem jetzt laute Rufe erschallen.

Ich betrete eine kleine Gartenparzelle, gepflegter Rasen, kleines aber feines Gartenhäuschen. Auf dem Rasen vor dem Haus kniet ein Mann, der unverständliche Worte vor sich hin schreit, Guido zerrt ihn gerade weg, nimmt ihn in den Arm. Der Blick wird für mich frei, ich verstehe schlagartig das Grauen. Umringt von Rettungssanitätern und dem Notarzt sehe ich den nackten Körper eines einjährigen Jungen. Soeben hat der Notarzt die Reanimation eingestellt, nach einer Stunde erfolglosen Versuchens. Unter der Tür des Hauses steht ein älteres Paar, die Frau hat vor Schreck die Hand vor dem Mund geschlagen. In den Augen aller stehen Tränen, sie sind fassungslos.

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