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Tödlicher Kinoabend
Autor: Ronny Holz
Eingestellt am: 04.01.2007
Manuela, meine Freundin, und ich kommen aus dem Kino. An diesem Abend haben wir zwei Filme am Stück gesehen und so ist es bereits nach Mitternacht. Wir unterhalten uns über die Filme, über die Schauspieler, die Inhalte, wie immer nach dem Kino. Wir sind auf dem Weg zum Auto. Ein Fußmarsch von vielleicht 250 Meter. Für eine Märznacht ist es angenehm mild. Wir stehen an einer roten Ampel, warten auf Grün. Was sich zu gerade dieser Zeit etwa 100 Meter von uns entfernt abspielt, weiß ich in diesem Moment noch nicht.

Der Parkplatz ist an einem Wochenende um diese Zeit selten menschenleer. Das Kino und die Diskothek "M1" sorgen dafür, dass sich hauptsächlich Jugendliche und Heranwachsende hier aufhalten. Lautstarke Streitereien oder auch mal grölende Proleten sind eher normal und darum wundere ich mich auch nicht, dass ich in der Entfernung vereinzelte Schreie höre. Die Worte kann ich nicht verstehen, dafür sind wir noch zu weit entfernt.

Als die Ampel Grün zeigt, überqueren wir die Märkische Allee und sind bereits auf dem Parkplatz, der sich schlauchförmig den S-Bahnhof entlang zieht. Mein Auto steht fast ganz am Ende. Irgendwo von da kamen auch die Schreie. Ich sehe in der Entfernung einige Personen, ohne ihnen jedoch große Beachtung zu schenken. Diese gilt vollauf einer männlichen Person in einer roten Jacke, die uns entgegenkommt. Bevor ich mir diese Person genauer anschauen kann, höre ich ein lautes Scheppern. Ein Akku-Ladegerät fliegt uns entgegen und kommt knapp vor unseren Füßen zum Stillstand. Erschreckt bleiben wir stehen. Hat der gerade die Heckscheibe von einem geparkten PKW eingeschlagen, frage ich mich?

Dann höre ich erneut Schreie aus der Personengruppe, die direkt bei meinem Auto steht. Diese gelten augenscheinlich dem Randalierer, der sich gerade auf unserer Höhe befindet. Er schaut uns an, geht an uns vorbei, als wäre nichts gewesen.

"Sachbeschädigung an Kfz", das ist mein erster Gedanke. Hunderte Male im Dienst aufgenommen. Selten aber kann man dazu mal einen Täter ermitteln. Und einer davon läuft gerade an mir vorbei. Mein Golf könnte auch betroffen sein. Was nun? Ihn festnehmen, bevor er in der Dunkelheit verschwindet? Wieder höre ich Schreie aus dieser anderen Personengruppe. Was hat der Typ da bloß gemacht? Haben die gerade was von abgestochen gerufen? Den kann ich jetzt nicht einfach abhauen lassen! Aber meine Einsatzmittel sind bescheiden. Nichts habe ich bei mir. Keine Handfesseln, kein Pfefferspray, keinen Schlagstock, keine Dienstwaffe. Ich werde ihm erstmal folgen. Manu ist von dieser Idee nicht wirklich begeistert. Sie ist besorgt, das sehe ich ihr an.

Während ich dem Typen in der roten Jacke folge, geht Manu in Richtung der Personengruppe. Der Typ geht die Treppe hinauf. Er will auf den S-Bahnhof. Ich schaue zu Manu und sehe, dass die Personengruppe einen vorbei kommenden Streifenwagen anhält. Ich lasse von der Verfolgung ab und folge wieder meiner Freundin. Sollen die Kollegen sich drum kümmern! Während dessen wendet der Streifenwagen und fährt bis an den Tatort heran. Tatort von was? Einer Sachbeschädigung? Okay und wohl noch einer Körperverletzung. So wird es sein.

Ich hatte zuvor an diesem Tag Frühdienst gehabt, hatte dort in Berlin-Kreuzberg eine Messerstecherei unter Schülern zu bearbeiten. War ganz schön heftig. Aber tödlich verletzt worden war zum Glück niemand. Während ich mit der ganzen Sache eigentlich schon abgeschlossen habe, höre ich deutlich, wie aus der Personengruppe jemand ruft: "Du hast ihn umgebracht, Du Schwein!" Umgebracht? Um etwas Genaues erkennen zu können, ist die Entfernung zu groß. Aber es liegt jemand auf dem Rasen, das sehe ich. Manu ist fast dort angekommen, die uniformierten Kollegen aus dem Funkwagen steigen gerade aus. Abgestochen!

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