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Polizei
Eine mächtige Rückhand
Autor: Gerald Marek
Eingestellt am: 31.12.2006
„Arschloch!“, fauchte Eugen über den Schreibtisch.
Einen Moment lang starrte jeder den Halbwüchsigen an, der wohl meinte, er müsse den großen Mann markieren. Einen Augenblick herrschte Totenstille, dann wanderten alle Augen im Zimmer zu Lothar hinüber. Dieser tat aber so, als habe er gar nichts gehört, sondern tippte ungerührt die Personalien des jugendlichen Einbrechers in die Tastatur des Computers.
Vor einer halben Stunde war der junge Mann auf frischer Tat festgenommen worden, als er gerade aus dem Laden von Frau Meier kletterte, in den er nur wenige Minuten zuvor eingestiegen war. Eine aufmerksame Nachbarin, offenbar mit leichtem Schlaf ausgestattet, war wegen eines leisen Klirrens aufgewacht, war zum Fenster gegangen und hatte gesehen, wie eine dunkle Gestalt in den Getränkeladen gegenüber einbrach. Schnell hatte sie den Notruf gewählt und weil Lothar und Didi nur ein paar Straßen weiter ihre nächtliche Streifenrunde fuhren, waren sie ruckzuck am Tatobjekt gewesen. Als der Bursche den Laden verließ, war er den Polizisten direkt in die Arme gelaufen und hatte sich völlig perplex ohne Widerstand festnehmen lassen. Doch schon auf der Fahrt zur Polizeidienststelle hatte er sich vom Schock der Festnahme erholt und fing an, die Beamten zu beschimpfen, mit einem Vokabular deutlich unterhalb der Gürtellinie zu titulieren.
„Einbruchsdiebstahl nennt man so etwas, junger Mann“, sagte Lothar ruhig. „Und es kommen noch einige Beleidigungen hinzu. Ich werde dich jetzt über deine Rechte belehren.“
Eugen saß kerzengerade auf seinem Stuhl. Seine Augen funkelten böse und er war mächtig unter Strom. Ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. „Fick dich, Alter. Ich kenne meine Rechte.“
Lothar hob die Augenbrauen und schaute vom Bildschirm auf. Er fixierte Eugen in aller Seelenruhe.
„So, die kennst du schon? Bist also nicht das erste Mal straffällig. In Ordnung, willst du dich zur Sache äußern?“
„Ihr könnt mich alle mal am Arsch lecken hier. Ich will gehen und sonst nichts.“ Eugens Stimme überschlug sich und seine Hände ballten sich immer wieder zu Fäusten.
„Okay, also keine Angaben zum Sachverhalt“, sagte Lothar gleichgültig und klickte mit der Maus die entsprechenden Felder auf dem Computer-Formular an. Dann wandte er sich wieder an den jungen Straftäter. „Du wirst aber erst gehen, wenn du einen Alkohol- und Drogentest absolviert hast.“
„Ich glaub, du hast den Arsch offen, du Wichser! Da läuft gar nichts, ich gehe jetzt!“
Er stützte sich auf den Armlehnen ab, drückte sich nach oben und stand schon fast, als eine scharfe Stimme ihn wieder zurücksinken ließ.
„Sitzenbleiben!“
Lothar rollte mit seinem Schreibtischstuhl ein Stück auf Eugen zu. „Jetzt werde ich dir mal was sagen. Es geht hier nach unseren Spielregeln. Du bist hier bei der Polizei und nicht im Kaspertheater, klar?“ Trotz der klaren Ansage war Lothars Stimme wieder ganz ruhig.
„Außerdem wäre es nett, wenn du deine Ausdrucksweise mäßigst. Wie sieht es aus mit einem freiwilligen Alkoholtest? Geht ganz schnell, nur einmal hier in dieses Kästchen blasen.“
„Dir blas' ich gleich einen, schwuler Bullensack!“ Anscheinend war die Wirkung von Lothars Zurechtweisung schon verpufft und Eugen war schon wieder auf hunterachtzig.
Lothar nickte kurz einem Kollegen zu: „Hansi, ruf bitte den Staatsanwalt und den Arzt an!“


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