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Polizei
Eine mächtige Rückhand
Autor: Gerald Marek
Eingestellt am: 31.12.2006
Seite 2 von 2

Dann schaute er dem Jugendlichen direkt in die Augen. „Wir holen einen Doktor auf die Dienststelle, der dir Blut nehmen wird. So wie du gerade aufgelegt bist, möchte ich mit dir nicht ins Krankenhaus gehen, um die Blutentnahme dort machen zu lassen. Du würdest nur die Patienten aufwecken.“
Eugen sprang mit einem wütenden Schrei auf und wollte das Büro verlassen. Vier Polizistenarme drückten ihn jedoch schnell wieder auf den Stuhl. Auf den Lippen des Halbwüchsigen bildete sich Schaum, aus seinen übergroßen Pupillen jagten Blitze und die Knöchel seiner Hände traten weiß hervor, als er sich an den Armlehnen festkrallte. Für Lothar und seine Kollegen stand außer Frage, dass Eugen alkoholisiert oder bekifft war. Oder beides. Ein Bluttest würde Klarheit darüber bringen und könnte -so paradox es zunächst klingt- sogar entlastend für den Täter sein. Das gehört einfach zur Beweissicherung hinzu. Aber es war völlig sinnlos, das dem jungen Mann in seinem Zustand zu erklären.
Hansi kam zurück. „Wir haben die Anordnung vom Staatsanwalt. Der Doc ist unterwegs.“
„Danke. Falls du dich der Blutentnahme widersetzt, ziehen wir das Ganze mit Zwang durch“, wandte Lothar sich Eugen zu. „Anschließend wirst du in der Ausnüchterungszelle übernachten, denn in deinem Zustand kann ich dich nicht auf die Menschheit loslassen.“
In diesem Moment flippte Eugen aus. Er stand auf und stapfte zu Lothars Stuhl, bevor einer der anderen Polizisten eingreifen konnte. „Du verdammtes Arschgesicht!“, geiferte er. „Ich merke mir deine Fresse, und wenn wir uns mal privat treffen, dann mache ich dich alle, Bulle!“
Lothar blieb sitzen und blickte sein Gegenüber ruhig, aber wachsam an. Diese Reaktion brachte Eugen noch mehr auf die Palme. Er fing an zu kreischen, sein Blick war irre und Spucke lief an seinem Kinn hinab und tropfte auf den Boden. „Ich finde heraus, wo du wohnst und dann schnappe ich mir deine Familie“, brüllte er. „Ich werde deine Frau ficken und mit deinen Kindern...“
Weiter kam er nicht. Ansatzlos flog Lothars linke Hand von der Tischplatte direkt in Eugens Gesicht. Der mächtige Rückhandschlag warf den Schreihals auf den Hintern und ließ ihn augenblicklich verstummen. Ein dünnes rotes Rinnsal bahnte sich den Weg vom linken Mundwinkel die Wange hinunter. Lothar erhob sich blitzschnell aus seinem Bürostuhl und zog den Jungen, der nicht mal halb so alt wie der Polizist war, am Revers nach oben.
„Jetzt ist das Maß voll, du jämmerliches Würstchen“, zischte Lothar stinksauer. „Du kannst mich alles Mögliche heißen und mich bedrohen, das ist mir scheißegal, aber wenn du meine Familie nicht aus den Spiel lässt, dann wirst du mich kennen lernen! Haben wir uns verstanden?“
Eugen wischte sich mit dem Ärmel das Blut aus dem Gesicht und schwieg.
„Bringt ihr ihn bitte in die Zelle?“, fragte Lothar seine Kollegen. Seine Stimme klang schon wieder ruhig. „Er kann dort auf den Arzt warten.“
Der junge Mann folgte wortlos den beiden Polizisten, die ihn zur Zelle begleiteten.
Hansi schaute sorgenvoll drein. „Das war Körperverletzung im Amt, Kollege. Was machen wir jetzt? Jemand muss darüber einen Bericht schreiben.“
Lothar griff nach seiner Tasse, schob sich an Hansi vorbei in den Gang und steuerte die Kaffeeküche an. „Keine Sorge. Ich schreibe selbst in den Festnahmebericht rein, dass ich ihm eine geknallt habe und überlasse es den Chefs, ein Verfahren einzuleiten.“
„Du handelst dir womöglich eine Disziplinar-Maßnahme ein.“
„Das kann schon sein“ Lothar zuckte die Schultern und schenkte sich einen Kaffee mit viel Milch ein. „Die Frage ist aber: Wie viel müssen wir uns gefallen lassen?“
„Aber wie willst du beweisen, dass das so heftig war? Der wird notfalls alles abstreiten und bei Aussage gegen Aussage...“
Lothar unterbrach ihn mit einer Handbewegung. „Ich habe einen sehr guten Zeugen, schau!“
Er zeigte auf den Schreibtisch, wo noch immer das Diktiergerät surrte, das er zu Beginn von Eugens Vernehmung eingeschaltet hatte.


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