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Polizei
Unzulässiger Lärm
Autor: Ronny Holz
Eingestellt am: 21.12.2006
Seite 2 von 4

Ich zeige ihm seine Optionen auf: Personalienfeststellung am Ort oder auf der Dienststelle, ganz wie er möchte. Die anderen Personen in der Gruppe kommen mir plötzlich alles andere als friedlich vor. Sie reden was von Meinungsfreiheit, von Grundrechten und eine Frau lässt verlauten, dass wir doch einfach wieder fahren sollten. So einfach sei das aber nun nicht mehr, sage ich und verlange erneut nach den Personalien des Beschuldigten.

Ich drehe mich kurz zum Einsatzwagen um und sehe, wie Melli auf mich zukommt. Als ich wieder den Beschuldigten anschaue, steht dieser langsam auf. Er gehe jetzt nach Hause, lässt er verlauten. Ich erkläre ihm noch einmal, dass er mir zunächst seine Personalien auszuhändigen habe, schließlich habe er gerade eben meine Kollegin beleidigt. Ohne darauf zu reagieren, entfernt er sich. Unglaublich, jetzt haut der ab, denke ich. Das könnte jetzt etwas anstrengender werden. Ich drehe mich zu Melli herum und sage ihr, sie soll den zweiten Wagen "mit Eile", d.h. mit Blaulicht und Martinshorn, zum Ort kommen lassen. Wer weiß, wo die gerade sind?!

Melli geht zurück, ich folge dem Beschuldigten. Er bewegt sich zunehmend schneller, ist inzwischen vier bis fünf Meter von mir entfernt. Ich gehe ebenfalls schneller, rufe ihm zu, er solle sofort stehen bleiben. Als würde er es nicht hören, geht er weiter. Ich drehe mich noch einmal herum, sehe Melli im Einsatzwagen sitzen, den Hörer des Funkgerätes in der Hand. Ich bin jetzt ganz dicht hinter dem Beschuldigten, sage ihm erneut, er solle stehen bleiben und lege gleichzeitig meine Hand auf seine Schulter. Er dreht seinen Kopf zu mir herum und holt mit dem rechten Arm aus. Ich sehe seine Faust auf mich zukommen, kann aber ausweichen.

Jetzt geh es blitzschnell. Mit ein paar kurzen Aktionen bringe ich ihn auf dem Bauch zu Boden. Seine Gegenwehr ist mäßig, das habe ich schon anders erlebt. Ich knie neben ihm, greife nach meinen Handfesseln und will diese an seine auf dem Rücken verschränkten Arme anlegen. Doch so weit kommt es nicht.

Ich spüre plötzlich, dass etwas nicht stimmt. Ich drehe meinen Kopf nach links, suche nach Melli, doch bevor ich überhaupt irgendetwas sehe, höre ich Schritte. Keine Sekunde später spüre ich Schläge gegen meinen Hinterkopf, meinen Rücken, meine Schultern. Schmerzen empfinde ich keine, aber ich merke, wie ich die Kontrolle über die Situation verliere. Als ich wieder zu mir komme, liege ich mit dem Bauch auf dem Boden, habe Kopfsteinpflaster vor meinen Augen. Ich versuche aufzustehen, aber es gelingt mir nicht. Jemand steht auf meinen Kniekehlen, ein anderer sitzt auf meinem Rücken. Ich dreh und winde mich, aber die Last auf mir ist zu schwer. Wieder ein, zwei Schläge oder Tritte gegen meinen Hinterkopf.

Dann höre ich Melli. Sie schreit. Ich kann ihre Worte nicht verstehen, aber sie klingt wütend. Plötzlich bin ich frei. Mit meinen Armen drücke ich die Pflastersteine von mir weg, schaffe es, meinen Oberkörper aufzurichten. Der Druck in meinen Kniekehlen ist noch da. Ich drehe meinen Kopf herum und sehe einen Schuh in der Kniekehle meines rechten Beins. Voller Wut hole ich mit meinem rechten Arm aus und treffe den Angreifer mit meiner Faust an der Hüfte.

Ich stehe auf, taste nach meiner Dienstwaffe. Sie ist noch immer im Holster, zum Glück. Melli steht neben mir, mit dem Pfefferspray in der Hand. Ich sehe, wie sie schreit, aber ich höre sie nicht. Für mich spielt sich alles wie in Zeitlupe ab, ganz ohne Ton. Ich blicke um mich und sehe meinen entwichenen Gefangenen vor mir. Keine zwei Meter entfernt. Er hat eine blutige Lippe, guckt mich an. Entschlossen und wütend gehe ich auf ihn zu, greife seinen rechten Arm und verdrehe diesen. Er beugt seinen Oberkörper nach vorne und schreit. Ich schiebe ihn mit voller Kraft zum Einsatzwagen.

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Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
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