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Polizei
Hinter der Türe
Autor: Thomas Zierlinger
Eingestellt am: 14.12.2006
Seite 3 von 4

Du begreifst schnell, dass ein professionelles Pflegeteam am Werk ist, trotz des aus Kostengründen reduzierten Personalkörpers.
Du blickst von deinem Buch auf, schaust in die Runde und denkst an den Film „Einer flog übers Kuckucksnest“. Als Jack Nicholson mit der „Irrenhausbelegschaft“ zu einem Bootsausflug startet. Zum ersten Mal seit Wochen ein Gedanke, der dich innerlich zum Schmunzeln bringt. Du bist jetzt „live“ dabei, mittendrin.
Und dann näherst du dich den anderen Patienten. Behutsam, zunächst scheu und schüchtern sprichst du mit ihnen, erzählst was du von Beruf bist und sie erzählen dir ihre Geschichte:

Da ist Birgit, die bis zur Selbstzerstörung versuchte ihre Familie vor der Trennung zu retten und deren Ehemann es genial versteht die Kruste der fast verheilten Wunden immer und immer wieder aufzureißen.
Da ist Martina, die am Borderline-Syndrom leidet und kurz vor dem Suizid stand, weil sie der ständigen Selbstverletzungen zum Erreichen einer halbwegs normalen Gefühlswelt überdrüssig war, und die dir wertvolle Tipps gab, um deine pubertierende Tochter zu verstehen.
Dieter, ein intelligenter junger Mann, Student der Wirtschaftswissenschaften, schildert dir, wie es ist fremd gesteuert eine Straßenbrücke aufzusuchen, um sich runter zu stürzen. Er leidet an Schizophrenie die in Stresssituationen ausgelöst werden kann und dann hat er keine Kontrolle mehr über seine Körper. Deine Kollegen vom Revier haben ihn aufgegriffen und hierher gebracht. Ein Autofahrer hatte ihn auf der Brücke bemerkt und die Polizei informiert.
Bertram sitzt Tag für Tag von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends auf dem Flur, geht dann zu Bett, bis am nächsten Tag das Prozedere von neuem losgeht. Du erfährst, dass er Autist ist, führst mit ihm ein kurzes Gespräch. Stellst fest, dass er ein unglaubliches Gedächtnis hat und über ein umfassendes Wissen verfügt. Seine schlagfertigen Antworten in den Gruppengesprächen machen manchmal sogar den Therapeuten sprachlos.
Chaleb, ein Türke, der bereits durch seine Anwesenheit eine freundliche Atmosphäre schafft. Er leidet seit seinem fünften Lebensjahr an Psychosen, hört fremde Stimmen und ist dadurch in die Alkohol- und Drogenabhängigkeit gerutscht. Er hat es wieder geschafft betreut zu wohnen und einer Arbeit nachzugehen.
Frau Müller, die alte Dame ist immer zu einem Scherz bereit. Sie hat ihrem Wohnungsnachbar einen Stuhl nachgeworfen, weil der sie ärgerte. „Da hat mich die Polizei geholt und hierher gebracht. Aber verdient hat der’s schon, und wie der gesprungen ist “ schildert sie verschmitzt. Nach drei Tagen durfte sie wieder nach Hause und dort ihren 85’sten Geburtstag feiern.
Und Du bleibst da. Hinter der Türe. Bei den Arbeitslosen, die aufgrund ihres Alters keine Arbeit mehr finden und suizidgefährdet sind. Bei den Alkoholikern, die ihren ersten oder zweiten Entzug hinter sich haben und dir berichten, wie schwer es ist, der Gesellschaftsdroge zu widerstehen und deshalb Rückfälle an der Tagesordnung sind.

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Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
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