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Polizei
Der Blick zurück
Autor: Gregor Seider
Eingestellt am: 06.12.2006
Meine erste Leiche habe ich mit 13 Jahren gesehen und das nicht mal in Deutschland. Es war in Ungarn, am Balaton, im Urlaub. Es war nicht morbide Neugier, die mich damals in die Menschenmenge am Ufer des Sees trieb, es war einfache kindliche Neugier. Das Prinzip des Todes war mir damals noch nicht klar. Es war eine junge Frau, die dort lag, gestorben, so hörte ich später, an einem Herzstillstand. Für mich als Kind war es einfach spannend.

Jahre später, um genau zu sein im November 2004, musste ich mich daran wieder erinnern. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon einige Leichen gesehen, Unfallopfer, Mordopfer und auch friedliche Entschlafene. Der Tod, so dachte ich mir, ist etwas völlig Alltägliches, ein Abschluss eben, und im besten Fall ein Übergang. Ich denke noch heute so, aber irgendetwas hat sich geändert und ich kann bis heute nicht sagen, was.

Als ich an diesem grauen, trüben Novembermorgen zum Frühdienst kam, war ich unbeleckt, obwohl ich in den Jahren als Bereitschaftspolizist das eine oder andere erlebt. Ein Grünschnabel im Streifendienst, und so fühlte ich mich auch.

Es ist nicht einfach, als Kommissar von der BePo zu kommen, und dann einfach mal so auf einen Streifenwagen umzusatteln. Ich hatte eine Menge Fragen, auch an diesem Morgen, denn am Abend zuvor war mir bewusst geworden, dass ich zu Unfällen mit Verletzten, ach was, zu Unfällen mit Toten längst noch nicht alles wusste. Ich kam nicht dazu. Meinen Morgenkaffee musste ich an diesem Morgen stehen lassen.

Es gab einen Unfall auf einer Bundesstraße, welche von Berlin in Richtung polnische Grenze führt. Da die Strecke morgens stark befahren wird, wurden mein Kollege und ich sofort rausgejagt. Wir fuhren zu dem Unfall. Es war nur ein leichter Unfall, aber die Fahrzeuge konnten nicht sofort von der Straße geräumt werden. Der Verkehr stockte in beiden Richtungen. Wir schickten uns an, die Sache so schnell wie möglich zu beenden.

Fluchend stiegen wir im Nieselregen aus, begrüßten die Unfallgegner und ich ging an den Kofferraum des Streifenwagens, um meine Unterlagen rauszuholen. Die Rufe von der anderen Fahrbahnseite ignorierte ich anfangs. Solange, bis mich ein Unfallbeteiligter darauf aufmerksam machte. Er zeigte auf einen Pick-up, der unvermittelt angehalten hatte. Ich drehte mich um.

"Circa 300 Meter in Richtung Polen hat es gerade einen Unfall gegeben." rief mir der Mann aus dem Auto zu. Ich nickte ihm geistesabwesend zu. Ich dachte noch: "Verschwinde!" Ich dankte ihm halbherzig, dann drehte ich mich zu meinem Kollegen um und sagte, das ich vorfahren würde, um dort alles kurz zu überprüfen und die Unfallparteien zu bitten, die Unfallstelle richtig abzusichern. Dann würde ich wieder zurückkommen.

Es war nicht weit. Vorbei an einer langen Schlange von stehenden Autos fuhr ich in Richtung Polen und ließ meinen Kollegen an der ersten Unfallstelle mit einem Funkgerät für das 4-Meter-Band zurück.

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