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Autor: Elmar Heer
Eingestellt am: 03.12.2006
Scheiße.

Ich weiß, Scheiße sollte man nicht sagen, das Wort gehört auch nicht zu meinem üblichen Sprachgebrauch, na ja, zumindest nicht zu meinem täglichen, aber ich sprach es ja auch nicht aus, dachte es nur. Verdammte Scheiße. Etwas anderes fiel mir in dieser Situation nicht ein, jedenfalls nicht im ersten Moment.

Mir gegenüber stand ein junger Mann, seine Miene verriet etwas Unsicherheit, aber er war immerhin nicht ganz so sprachlos wie ich. "Guck mal, was ich da habe." In seiner Stimme schwang so etwas wie Stolz mit. Ich brauchte gar nicht hinzusehen, was er mir gegen den Bauch drückte, denn ich spürte deutlich den Lauf einer Pistole durch mein T-Shirt.

Wie konnte ich mich selbst nur in eine derart prekäre Lage bringen? Musste ich tatsächlich den Helden spielen für ein Autoradio, das noch nicht einmal mir gehörte? Ja doch, ich bin Polizist, aber ich hatte frei heute! Und ich hätte, wie jeder andere auch, nach Hause laufen und die 110 wählen können. Aber nein, ich musste mich ja unbedingt als Retter der Menschheit, besser gesagt als Retter des Autoradios eines mir völlig unbekannten, womöglich auch noch Teilkasko-ohne-Selbstbeteiligung-versicherten Nachbarn aufspielen! Aber auch ein unversichertes Radio wäre es nicht wert gewesen, sich dafür ein Loch in den solar plexus schießen zu lassen.

Wäre ich nur auf meiner Couch geblieben! Wie so oft war ich vor dem Fernseher eingeschlafen, nicht einmal die einpeitschenden "Ruf-mich-an!"-Werbespots nach Mitternacht konnten mich in dieser lauen Sommernacht wecken. In der Tiefschlafphase, habe ich mal gelesen, werden zeitweise alle fünf Sinne des modernen homo sapiens völlig abgeschaltet. Ich weiß nicht, wie lange es deshalb gedauert hat, bis es Doni gelang, zunächst einmal meinen Geruchssinn zu erreichen. Aber sein warmer, nach einem Gemisch aus halbverdauten grünen Kutteln, schon gärenden Häppi-Happi-Hundeflocken und Stockfisch-Nachspeise stinkender Atem setzte wohl eine Art Domino-Effekt in Gang, welcher nacheinander alle meine Sinne in wachsender Geschwindigkeit reaktivierte. Zuletzt öffnete der meine Augen und ich blickte direkt in das vorwurfsvoll anmutende Gesicht meines Schäferhundes. Der saß nämlich hechelnd vor dem Sofa, seine schwarz glänzende Nase maximal zwei Zentimeter von der meinen entfernt. Und in seinen braunen Augen war überdeutlich die Frage zu lesen: GASSI?

Vielleicht war es auch weniger eine Frage als die ultimative Aufforderung: GASSI! JETZT! SOFORT! Üblicherweise fütterte ich meinen Hund vor der Tagesschau, um nach den Wetteraussichten noch eine letzte Runde mit ihm zu drehen. Obwohl ich Doni, der eigentlich den albernen Namen "Donner" trug, erst seit ein paar Wochen hatte, war er längst an dieses Ritual gewöhnt und hatte seine Blasen- und Darmaktivitäten daran angepasst.

Mein Blick fiel auf die Uhr. Halb drei! Armer Hund! Dankbar dafür, dass der elf Monate alte Rüde besagte Aktivitäten so lange unter Kontrolle halten konnte, zog ich unbeholfen meine Schuhe an, schnappte mir seine Leine und wankte, noch immer schlaftrunken, in Richtung des brach liegenden Grundstücks gegenüber unserer Garagenzufahrt.

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