Kopf
Home
Idee & Ziel
Schreib einfach!
Die Texte
Die Autoren
Verein
Buchprojekte
Shop
Presse
Termine
News
Blog
Links
Gästebuch
häufige Fragen (FAQ)
Kontakt
Newsletter
Polizei-Poeten Logo
Polizei
Kein einfacher Start
Autor: Ralf Hammer
Eingestellt am: 23.11.2006
Seite 2 von 2

Mein Kollege und ich untersagten den Angehörigen sich den Leichnam anzuschauen. Wir rieten ihnen, bis zur Beerdigung zu warten, schließlich konnte man dann die Frau noch einmal anders sehen, aufgebahrt und geschminkt. Der Leichnam wurde dann durch ein hiesiges Bestattungsunternehmen abgeholt.

Mir passiert es heute immer wieder, dass ich merke, wie einige Dinge tabuisiert werden in unserer Gesellschaft. Der Tod mit all seinen Facetten ist so ein Tabu. Manche Menschen haben Zeit ihres Lebens nie damit zu tun gehabt und wachsen in einer für sie doch heilen Welt auf. Nur einem kleinen Kreis ist es auferlegt den Tod so bildhaft zu sehen wie er ist, real und allgegenwärtig.

Als wir die Maßnahmen vor Ort abgeschlossen hatten, schloss ich auch innerlich mit der Situation ab und begab mich wieder in eine positivere Gedankenwelt. Ich dachte zu diesem Zeitpunkt, dass es kein einfacher Start war, den ich da erleben durfte. Doch zur Ruhe sollte ich mit meinem Gemüt vorerst nicht kommen, denn kurz vor dem Revier erhielten wir noch den Auftrag zu einer Person zu fahren, die eine Platzwunde am Kopf hatte und nun auf dem Bordstein liege.

Dort angekommen lag ein Mann, der vermutlich reichlich Alkohol konsumiert hatte, tatsächlich auf dem Bordstein. Alles war voller Blut. Eine große Wunde klaffte am Hinterkopf und das Blut rann in einem Fort herunter. Zeitweise war es schon so verdickt, dass es sich wie eine Manschette um seinen Hals legte. Die Ersthelfer vor Ort nahmen ihn mit in das Krankenhaus und baten uns aus Gründen der Sicherheit mitzufahren. Schließlich stand der Mann offensichtlich unter starkem Alkoholeinfluss.

Im Krankenhaus angekommen, wurde die Wunde eingehend untersucht. Man entschloss sich sie zu nähen. Nach ein paar Betäubungsstichen mit der Spritze und einer Rasur der betroffenen Stelle machte sich der Arzt daran, die Wunde zu nähen. Der Anblick des ganzen Blutes und der Öffnung am Hinterkopf zerrten extrem an meinem Wohlempfinden. Zeitweise musste ich sogar wegblicken, weil der Anblick doch sehr heftig war. Der Mann zitterte am ganzen Körper. Durch die eher schmächtige Statur litt offenbar sein Kreislauf sehr unter den gegebenen Umständen. Ein paar Mal machte er durch einen Aufschrei begreifbar, dass der Alkohol und die Spritzen nicht ausreichten, um den Schmerz bei diesem Eingriff gänzlich zu betäuben. Aber er hielt trotzdem Wort und ließ alles über sich ergehen.

Als alles überstanden war und der Mann entlassen wurde, war es nun Zeit endlich auf das Revier zu fahren. Aber noch einmal sollte sich das ein wenig verzögern, da ein PKW- Fahrer uns vor dem Krankenhaus förmlich in die Arme lief und einen Unfall meldete. Er hatte einen Mann leicht angefahren, aber auf Grund einer künstlichen Hüfte stürzte er doch erheblich und musste nun behandelt werden.

Getrieben durch das nahende Schichtende, der zu erwartenden Schreibarbeit und meinem Hunger machte sich Unmut breit. So hatte ich mir den Anfang auf dem Revier nicht vorgestellt. Endlich im Revier angekommen entgegneten mir die Kollegen nur, ich solle den Magneten aus der Tasche nehmen, der offensichtlich solche Einsätze anzog. Die wahre Polizeiarbeit, wenn auch eher extrem, hatte nun für mich begonnen.


zurück   1  2   
(5915)
Share in Facebook

* Aktuelles * (23.11.2017)
News:

Neue Texte:
Himmelfahrtskommando (T. Knackstedt)

Neue Autoren:

"Ich entschloß mich von dem Standpunkt meiner eigenen Erfahrungen zu schreiben, von dem was ich wusste und was ich fühlte. Und das war meine Rettung...

... Was ist Original? Alles was wir tun, alles was wir Denken existiert bereits und wir sind nur Vermittler. Das ist alles. Wir machen von dem Gebrauch was bereits in der Luft ist."
Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
Newsletter
Zum Bestellen unseres Newsletters senden Sie bitte eine eMail an:
info@polizei-poeten.de

Home   Idee & Ziel   Schreib einfach!   Die Texte   Die Autoren   Verein   Buchprojekte   Shop   Presse   Termine   News   Blog   Links   Gästebuch   häufige Fragen (FAQ)   Kontakt   Newsletter   
Impressum & Datenschutz    eMail an uns

©2002..2017, POLIZEI-POETEN, Volker Uhl, Robinienweg 6, D-79189 Bad Krozingen
Besucher (seit 1.9.2002):
counter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conception


gestaltet von: Web-Conception Internet Service   www.web-conception.de