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Polizei
Blut auf dem Schuh
Autor: Andreas Penningbernd
Eingestellt am: 11.11.2006
Blut auf dem Schuh

Es ist früh morgens im November, es regnet, es ist kalt, ich sitze mit meinen fünf Kollegen in einem grünen Mannschaftswagen, einem VW Bully, die Scheiben beschlagen. Ich lese im Spiegel, Musik aus dem selbst gebastelten Radio, und im Hintergrund der Funk - "Castor 42/30 bitte kommen!" - ei zweites Mal "Castor 42/30 kommen!"

Jetzt meldet sich mein Gruppenführer: "42/30 hört"; "Macht euch bereit für einen Einsatz! Vom Bahnhof kommen gleich 50 bis 60 Demonstranten, schwarz gekleidet, Gruppe B!" - Hans sagt: "Zieht euch an, Jungs! Gleich geht's vielleicht rund!"

Alles geht von selbst, automatisch, maschinell - aus dem Bus springen, Tasche raus, Weste an, Schienenbeinschutz, Armschutz, Helm am Koppel, wieder ins Auto quetschen. Abwarten! Ruhe!

Es regnet immer noch, grauer Himmel, die Bäume laublos, grünlichbraun, Bahnhofsgeräusche, ein Zug. In der Ferne hören wir sie dann. Die Demonstranten. Eine schwarze Masse, entlang der Bahnstrecke. Friedlich. Scheint so!

"Und jetzt raus!" Hans wird energisch. Alle gehorchen, es klappt immer. Alle schon lange dabei. Wir stehen jetzt draußen, im Regen, kalt ist es, trotz der ganzen Klamotten! Der Helm ist schon auf dem Kopf, riesig wirkt er, weiß, Lichtblicke in dieser grauen Landschaft. Das Visier beschlägt, ich kann nur verschwommen gucken.

Dann kommen sie, unsere Gegner, das polizeiliche Gegenüber, schwarz, mit Transparenten. "Wir wollen k-e-i-n-e Atomkraft!" singen sie, immer wieder. Merkwürdig klingt das in der kalten Landschaft, hier am Bahnhof, Züge unterbrechen immer wieder den Gesang, der sich ständig wiederholt – ich will auch keine Atomkraft, doch wen interessiert das schon?

Wir stehen ihnen gegenüber, aufgerödelt, gepanzert, unfreundlich irgendwie, aber auch geschützt – für uns. Eigentlich sehen sie ganz nett aus, trotz ihrer schwarzen Uniform, ihrem linken Outfit – schwarze Jeans, Kapuzenpullis oder Jacken, schwarze Tücher, Arafattücher. Doch sie schauen nicht nett, und wir auch nicht, jeder ist auf seiner Seite, jeder glaubt auf der richtigen, doch was ist das schon!

Sie ziehen an uns vorbei, Funksprüche sind verwaschen zu hören, es rauscht, die Stimme aus dem Funkgerät vermischt sich mit den Stimmen des Gesanges. Dann plötzlich, nach einer kurzen Sangespause, ein Knall – lautes Geschrei – dann geht alles sehr schnell! Ein Demonstrant hat einen Böller gezündet, alle schreien, Farbbeutel fliegen, Hans wird getroffen, rote Farbe auf dem weißen Helm - kurzer Schock, dann rennen wir, obwohl es keiner befohlen hat! Wir überrennen sie, die Knüppel schwirren durch die Luft, ein paar Menschen gehen zu Boden, auch ein paar von uns, wie Käfer liegen sie auf dem Rücken, mit den starren Westen.



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