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Die Schatzsuche
Autorin: Birgit Enser
Eingestellt am: 01.11.2006
Seite 2 von 2

Vielleicht war es ein Verbrecher gewesen? Ein Geköpfter womöglich. Sonst hätten sie doch andere Knochen finden müssen. Er stellte sich vor, wie der Geist des Toten nun nach seinem Kopf suchte. In seinem Zimmer!!

Was Tobias nicht wusste war, dass sich von nun an immer, wenn er schlief, eine schemenhafte Gestalt an sein Bett setzte. Sie saß nur da und sah den Jungen an. Reglos. Jede Nacht.

In den letzten Tagen hatten sich die Eltern oft gestritten. Es war wieder sehr laut geworden, wenn beide getrunken hatten. Sie schrieen sich gegenseitig an und der Vater von Tobias und Benno hatte die Mutter auch wieder geschlagen. Die beiden Jungen verdrückten sich dann meistens. Sie hatten gelernt, dass es nie gut war, in die Schusslinie der Eltern zu kommen, wenn sie so drauf waren.

Benno tat immer so, als wenn ihn das Alles gar nichts anginge. Er markierte gerne den "starken Mann". Tobias jedoch weinte sich oft genug in den Schlaf und musste sich dann auch noch von seinem Bruder anhören, dass er eine Heulsuse sei. Irgendwann im Halbschlaf spürte Tobias dann, wie Benno sich in sein Bett legte, ihm die Tränen abwischte und ihm einen Kuss auf die Stirn gab. Das kam ihm zwar sehr verwunderlich vor, doch fühlte er sich wunderbar getröstet und schlief endlich ein.

Die Gestalt schwebte aus dem Kinderzimmer, hinein in das Wohnzimmer, in dem die beiden Menschen sich immer noch anschrieen. Die Frau saß weinend in einer Ecke, und der Mann stand drohend über ihr. Er hatte die Fäuste geballt und sagte heiser: "Ich bring´ dich um, eines Tages bring´ ich dich um. Ich schneid´ dich in kleine Stücke und verbuddle dich. Niemand wird dich finden. Es wird sein, als hätte es dich nie gegeben. Du blödes Stück. " Dann drehte er sich weg, nahm seine Flasche Bier und wankte aus dem Zimmer.

Die Frau sank immer tiefer zu Boden, sie hatte die Hände vor das Gesicht gelegt und weinte laut. Plötzlich wurde sie ganz ruhig, schaute auf und glaubte, eine Gestalt erkennen zu können. Es war kein richtiges Erkennen, mehr ein Erahnen, doch sie wusste, sie hatte nicht so viel getrunken, um sich das einzubilden. Und dann war es wie eine Gewissheit, dass hier eine Frau stand, die die gleichen Ängste kannte wie sie. Eine Frau, die Schreckliches durchgemacht hatte.

Plötzlich verschwand die Gestalt und die Frau blieb wie betäubt sitzen. Irgendwann schlief sie auf dem kalten Boden ein.

Am nächsten Morgen fand Benno seinen Vater tot im Badezimmer. Er hatte wohl in seinem Suff das Klo nicht richtig getroffen, als er pinkeln wollte, war dann auf den feuchten Fliesen ausgerutscht und mit dem Kopf auf der Duschkante aufgeschlagen. Jedenfalls war es das, was die Polizei ermittelte.

Benno und Tobias jedoch war die Sache unheimlich, und sie beschlossen, den Schädel, der immer noch unter Bennos Bett lag, wieder im Wald zu begraben.


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