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Polizei
Im Park
Autorin: Birgit Enser
Eingestellt am: 01.11.2006
Jeden Donnerstagnachmittag ging die alte Frau in den kleinen Park.

Sie musste dafür fast eine Stunde mit dem Bus fahren und zweimal umsteigen, doch sie freute sich die ganze Woche auf diesen einen Tag, der für sie zu einem festen Ritual geworden war.

Sie sammelte Brot für die Enten und überlegte tagelang, was sie ihren kleinen Freunden erzählen könnte. Viel erlebte sie ja nicht, also berichtete sie ihnen Geschichten aus der Vergangenheit. Auch hatte sie ihnen manche ihrer Geschichten schon mehr als einmal erzählt, was ihr aber selbst nicht bewusst war, und den Enten schien es nichts auszumachen.

Auch an diesem sonnigen Donnerstag besuchte die kleine, alte Frau den Park. Mit unsicheren, aber zielstrebigen Schritten ging sie zum Teich, begrüßte zuerst mit sanfter Stimme ihre gefiederten Freunde und setzte sich dann auf die Bank, die dem Wasser am nächsten lag und die seltsamerweise auch immer frei war.

Während sie den Enten Brotreste zuwarf, hätte man, wenn man sich die Mühe gemacht hätte, hören können, wie sie leise mit den Tieren sprach, und wie sie dann auch manchmal wie ein junges Mädchen lachte. Doch die wenigen Menschen, die an ihrer Bank vorbeigingen, achteten kaum auf sie, und wenn doch, dann wunderten sie sich vielleicht nur über diese seltsame Alte, die dort in ihrem grün gemusterten Sommerkleid und dem schiefen kleinen Strohhut saß und scheinbar mit niemandem plauderte.

Meist verabschiedete sie sich nach einer Stunde von ihren Freunden, denn sie hatte noch eine lange Heimfahrt. An diesem Donnerstag jedoch blieb sie länger. Sie hatte noch lange den schwimmenden Enten zugeschaut und war wohl darüber eingeschlafen.

Irgendwann wurde doch ein Spaziergänger auf die kleine Frau aufmerksam. Er beugte sich hinunter, sprach sie an und nahm ihre Hand. Die alte Frau schien zu lächeln, aber sie war schon eine ganze Weile nicht mehr auf dieser Welt.

Dann wurde es allerdings geschäftig in dem sonst so einsamen Park. Der Notarzt stritt mit dem Polizeibeamten, denn er kannte die alte Dame nicht und weigerte sich, einen "natürlichen Tod" zu bescheinigen. Nach einigem Suchen fand man dann in der Handtasche der Frau die Telefonnummer ihres Hausarztes, rief in an, und dieser meinte, ja, er kenne die Frau, sie sei seit Jahren seine Patientin, in ihrem Alter sei auch mit einem natürlichen Ableben zu rechnen gewesen und wenn die Kostenfrage geklärt sei, dann würde er selbstverständlich auch persönlich vorbeikommen.

Aber was war das? Hast du das auch wahrgenommen? - Mir war so, als hätte ich ein leises Lachen gehört!


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