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Das erfolgreiche Kind
Autor: Uwe Hartig
Eingestellt am: 26.10.2006
Das erfolgreiche Kind ist kein Zufall, soviel ist jedem wohl klar. Ich kann jetzt nicht mehr, wie noch vor drei Monaten, einfach die Augen vor dieser Tatsache verschließen. Der Erfolg wird einem nicht in die Wiege gelegt, oder vielleicht doch? Jetzt schaue ich mir die Tatsache näher an. Sie liegt in dem kleinen Bettchen vor mir und hat einen Namen. Max. Den Namen haben meine Frau und ich gemeinsam gewählt, aus ökonomischen Gründen.
Ich betrachte meinen kleinen Sprössling, und mich überkommt eine dunkle Vorahnung. Was wird, wenn ich diesen kleinen Jungen einfach so seinem Schicksal überlasse? Ich betrachte die niedlichen kleinen Füße, die Händchen und das schmächtige Körperchen. Wie soll das Kind in dieser rauen Welt jemals bestehen? Wird es für den täglichen Überlebenskampf in unserer Gesellschaft gewappnet sein? Erneut betrachte ich meinen Sohn und beschließe sofort, dass die alleinige Verantwortung bei mir liegt. Es muss etwas getan werden. Sofort.
Jeder Mensch ist ein Individuum. Soweit klar. Doch die an der Spitze stehen, müssen mehr Individuum sein, als die anderen. Das Lächeln aus dem Gesicht meines Sohnes verschwindet, als ich ihm sein Kuscheltuch aus der Hand winde und gegen einen Eierlöffel austausche.
Neugierig betrachten seine blauen Augen das glänzende Metall und ich weiß, er wird sich daran gewöhnen.
In Gedanken kann ich die Gespräche auf dem Spielplatz schon erahnen. “Mein Kind hat einen Teddy“. “Mein Kind spielt mit einer Puppe.“ Stolz höre ich mich dann verkünden: “Mein Kind spielt mit...“ Hastig tausche ich den Eierlöffel gegen die alte silberne Taschenuhr meines Urgroßvaters aus. Der Tradition wegen. Auch damit scheint mein Sohn einverstanden. Wie bescheiden er doch ist! Doch halt, zu viel Bescheidenheit könnte schaden! Der Kleine beginnt sich gerade mit der Uhr anzufreunden, als ich sie ihm wieder abnehme. Das fällt mir nicht schwer, sein Griff ist noch nicht allzu fest. Warum eigentlich nicht? Ich beschließe, ihm kleine Gewichte an Armen und Beinchen zu befestigen, das kann bestimmt nicht schaden und trainiert ungemein. Wäre doch gelacht, wenn sich der übermäßige Babyspeck nicht definieren ließe.
Fernsehen bildet. Bis zum Schulanfang sind es immerhin noch 6 Jahre, was soll sein? Heute ist dein Glückstag mein Sohn! Über die Mattscheibe springen drei dicke Teddys mit Antennen auf dem Kopf. Lala, Lolo, Daaa... Doch auch in den Werbepausen bleibt das Gesicht meines Sohnes regungslos. Oh mein Gott, braucht er vielleicht eine Brille? Gleich morgen beschließe ich einen Augenarzt aufzusuchen. Das wäre ein deutlicher Nachteil gegenüber seinen Altersgenossen. Vorsichtig nähere ich mich seinem Ohr und mache: “BUH“ Er fängt sofort an zu schreien. Befriedigt lehne ich mich im Sessel zurück. Gott sei Dank, das Gehör scheint in Ordnung. Nach zwei Minuten verstummt sein Geschrei. Ausdauer scheint seine Sache nicht zu sein. Obwohl er es nicht verdient hat, küsse ich ihn auf seine kleine niedliche Stupsnase. Zuckerbrot und Peitsche, so ist das Leben. Nach noch ein paar Küsschen lacht er richtig. Das geht dann doch zu weit und ich schaue böse. Erst als ich ihm meine Zähne zeige, verschwindet das Lächeln. So läuft das mein Sohn, es gibt immer irgendeinen Chef der dir die Zähne zeigt. Du kannst nur hoffen, dass dir selbst bald Zähne wachsen, dann bist du der Chef.


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