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Mit Heinrich III. im Wendland
Autor: Ludwig Eulenlehner
Eingestellt am: 10.10.2006
Man könnte meinen, Heinrich sei adelig oder zumindest fließe blaues Blut in seinen Adern. Aber nein, keineswegs! Er ist gut bürgerlich und gediegen. Er ist im besten Alter. Ob er allein durchs Leben zieht? Nein! Seinen Anhang hat er meist dabei. Heinrich ist absolut unabhängig, verlässlich und jederzeit zum Einsatz bereit. Er sieht gut aus, trotzt jeder Witterung. Heinrich ist der Dritte in seiner Ahnenreihe und holt seine Leistung aus einem kräftigen 5,8 Liter-Herz. Kurz: Heinrich III. ist unser Einsatzküchenwagen (EKÜ).
Vor der Reise prüft sein Bedienpersonal Gas, Wasser, Öl und Treibstoff und füllt gegebenenfalls nach. Bedienpersonal bedeutet gleichzeitig Fahrer und Techniker für den Kfz-Küchenaufbau zu sein, zusammen mit unserem EKÜ-Küchenchef Wasti.
Es ist Mitternacht. Heinrich steht im Dunkeln abmarschbereit und wartet auf seine Besatzung. Alles, was man für über eine Woche außer Haus benötigt, haben wir verstaut. Dienstklamotten, Schlafsack, Hygieneartikel, Unterwäsche, warme Unter- und Oberbekleidung. Abfahrt ist kurz nach 01:00 Uhr. 13,5 Tonnen mit Anhänger setzen sich kraftvoll in Bewegung.
Um diese Zeit gibt es gottlob keinen Berufsverkehr in der Stadt. Der Altstadtring ist fast leer. Wir sind schnell auf der Autobahn Richtung Norden. Die Tachonadel pendelt sich bei 80 km/h ein. Es schneit. Neuigkeiten aus Privatleben und Dienst sind bald erschöpfend ausgetauscht. Die Monotonie der Autobahn ermüdet. Ein paar Schlucke heißen Kaffees aus der Thermoskanne beleben den Geist. Wir sind froh als die ersten Sonnenstrahlen einen zwar kalten aber doch klaren Wintertag versprechen und die Umgebung abwechslungsreicher wird.
Nach rund 650 Kilometern erreichen wir gegen Mittag unsere Unterkunft in der Nähe von Gorleben, eine ehemalige Kaserne der Bundeswehr. Das Areal ist weitläufig und wurde über Jahre hinweg nicht mehr genutzt. Wir sehen uns um und beziehen unser Domizil: einen großen Mannschaftsraum mit 24 Betten. Unbewohnt und trist wirkt alles, kaum Stühle und Tische, aber warm. Ein Kleiderschrank aus Kartonagen ist schnell gebaut.
Heinrich steht kaum 30 Meter Luftlinie entfernt neben einem mittlerweile aus einem anderen Standort eingetroffenen „Kollegen“. Wo kriegen wir Strom und Frischwasser her? Wohin mit dem Abwasser? Wann kommen die ersten Einsatzkräfte? Wir haben noch genügend Vorlaufzeit, um all diese Dinge abzuklären.
Probelauf mit Heinrich. Alles ist ok. Lediglich die Abwasserleitung vom Fahrzeug zum Gulli ist zu kurz. Schnell zum nächsten Baumarkt und zehn Meter Rohre besorgt. Danach erst mal zum Duschen. Aber wo? Es ist keiner da, den man fragen könnte. Also Keller durchsuchen. Im Nachbargebäude werden wir fündig. Man muss über den Hof. Durch die lange nicht mehr benutzten Wasserleitungen strömt zuerst Eiskaltes dann Warmes dann Heißes dann nichts mehr. Was mache ich jetzt mit dem Schaum auf dem Kopf? Im Waschbecken abspülen! Zurück über den Hof. Die Badeschlappen frieren am Boden fest. Nach 20 Stunden auf den Beinen bin ich hundemüde und rolle mich in meinen warmen Kingsize-Schlafsack.
Am nächsten Morgen müssen wir früh raus. Die ersten Einsatzkräfte kommen und freuen sich auf heißen Tee und Kaffee. Die Technik von Heinrich funktioniert einwandfrei. Lediglich die stationäre Großküche hat Probleme. Heinrich springt mit unserem Fünf-Sternekoch Wasti in die Versorgungslücke.

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