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Mein Bein bekommt keiner!
Autor: Robin Michenbach
Eingestellt am: 26.09.2006
Mein Bein bekommt keiner! Es wurde heller, die Sonne ging langsam über dem Rhein auf und tauchte Köln in ein weiches, warmes Licht. Es war ein ruhiger Sommermorgen, nur vereinzelt waren Pkws unterwegs und das Wetter schien heute sehr schön zu werden. Es war ein toller Morgen!
Wir saßen im Wagen, die Fenster des Streifenwagens waren halb geöffnet, wir redeten leise über dies und das, was uns halt so in den Sinn kam, und warteten. Vielleicht würden wir heute den Typ erwischen, der ohne Führerschein unterwes ist und uns schon seit Wochen durch die Lappen ging.
Selbst über Funk hatte sich Ruhe eingestellt. Dort wo sonst nur hektisches Treiben herrschte und man kaum dazwischen kam, war Stille. Man hätte meinen können, man würde nicht in einer Millionenstadt arbeiten, sondern irgendwo auf dem Land.
Plötzlich ein Funkspruch für uns.
„ Suizid, RTW und NAW sind unterwegs.“
Ich bestätigte den Auftrag und mein Bärenführer fuhr los.
Wir standen günstig Der Einsatzort war um die Ecke und schnell erreicht.
Vor dem angegebenen Haus stand ein kleiner Junge, ich schätzte ihn auf ungefähr elf Jahre und winkte uns ruhig zu. Er sollte uns wohl einweisen.
Es war nichts von einem Rettungswagen, geschweige denn einem NAW zu sehen oder zu hören. Wie immer, wenn man die Dinger mal schnell braucht!
Wir stiegen schnell aus und der Junge sagte nur, es wäre oben. Mehr nicht, er wies nur mit großen starren Augen in die oberen Etagen. Die Haustür war offen, die Wohnungstür im 2. OG links ebenfalls.
Es war eine gepflegte Wohnung, ein langer Flur, bestückt mit Bildern, von dem wiederum links und rechts Türen abgingen. Alles aufgeräumt, recht ordentlich. Hatte schon andere Wohnungen gesehen, aber diese war echt okay. Ein Mann Mitte vierzig stand im Flur. Apathisch, mit leerem Gesichtsausdruck und stumpfem Blick, wies er auf die ihm gegenüberliegende Tür.
Der Raum auf den der Mann gewiesen hatte war das Schlafzimmer, üblich möbliert mit großem, in hellen Farben gehaltenen Kleiderschrank links und mit einem großen Standartdoppelbett rechts. Daneben jeweils Nachttische mit Beleuchtung. Die Fenster zur Straße befanden sich direkt über dem Kopfteil.
Auf der linken Seite des Bettes lag eine Frau auf dem Bauch. Sie trug ein weißes, leichtes Nachthemd und war um die vierzig. Ihr Kopf lag nach links geneigt auf dem Kopfkissen, ihre blonden Haare bedeckten das Kissen und den Rand des Betts. Die Augen waren halb geöffnet und starrten gebrochen ins Leere. Die Arme der Frau lagen rechts und links des Kopfkissens.
Augenscheinlich war sie tot.
Wir mussten aber sicher gehen, der Arzt war ja schließlich noch nicht da.
Ich war der „Neue“, mein Kollege der „alte“ Obermeister. War klar was nun kommen musste. Ein Blick meines Streifenführers, ich sollte überprüfen, ob sie wirklich tot war. Also machte ich schnell ein paar Schritte bis zum Bett, fühle nach der Halsschlagader. Nichts! Sie war schon steif, die Haut wie kalter Marmor. Ihre Augen waren leer, nach meiner Meinung war sie auf jeden Fall tot.
Der Notarzt traf ein. Der Kollege kümmerte sich nun um den Ehemann, der immer noch still im Flur stand, informierte die Kripo und begann mit den üblichen Fragen.
Ich blieb beim Arzt. Wollte wissen, was hier passiert war.
Der Notarzt war routiniert und unerschrocken. Schon etwas älter, hatte wohl schon so einiges gesehen.
Er drehte die Frau zur Seite und beschaute sich die rechte Halsseite und die darunter liegende Bettfläche.
Das Bettlaken, die Matratze und das Nachthemd waren voller Blut, richtig voll gesogen und schon leicht eingetrocknet.
Der Arzt bestätigte mein vorheriges Urteil. Tot, die Frau war definitiv tot. Die nun ebenfalls eingetroffenen Rettungssanitäter wurden nicht mehr benötigt und machten sich wieder auf den Weg zu ihrer Wache.
Links neben dem Bett, vor dem Nachttischchen lag eine Rasierklinge. Eine von diesen altmodischen Teilen, nur die Klinge ohne Arretierung aus Kunststoff, nur die nackte Klinge. Sie war blutverschmiert.
Ich teilte meinen Fund dem Notarzt mit, der daraufhin bestätigt, dass die Rasierklinge auch zu den Verletzungen passen würde, die die Frau am Hals trug. Mit diesen Worten rief er mich zu sich und drehte den Kopf der Frau so, dass man an ihrer rechten Halsseite einen tiefen und langen Schnitt erkennen konnte. Die weißlichen Sehnen und ein Teil des inneren Halses waren sichtbar.
Mein Bärenführer kam wieder herein. Er hatte einen kleinen weißen Zettel in der Hand, so einen, worauf man Notizen am Telefon macht. Ich teilte ihm unsere Entdeckungen mit.
Er hielt den Zettel in meine Richtung.


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