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Polizei
Missverständnis
Autorin: Bianca Meier
Eingestellt am: 26.09.2006
Wie bei so vielen Einsätzen stellte auch dieser sich als Fehlalarm heraus und der vermeidliche Suizident wurde volltrunken zu Hause schlafend angetroffen. Für uns kein Grund mehr mit Blau durch die Stadt zu heizen, so dass ich schließlich das Martinshorn abstellte und mein Kollege das Fahrttempo deutlich verlangsamte. Das übliche Raunen ging durch das Fahrzeuginnere; warum ist unklar, denn keiner wollte tatsächlich eine Leiche und das noch im Nieselregen, aber diese ewigen Fehleinsätze nerven auf Dauer gleichermaßen, zumal die Anspannung immer dieselbe ist.
Mein Kollege ist ein alter Profi, der nicht nur den Polizeialltag in- und auswendig kennt, sondern in unserem Einsatzgebiet beispielhafte Streckenkenntnisse besitzt.
Das gesamte vergangene Jahr befand er sich auf beinahe allen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, die bei der Bundespolizei so angeboten wurden, so dass wir keine Gelegenheit hatten uns näher kennen zu lernen. Diese verpasste Gelegenheit holten wir in genau dieser Nachtschicht nach.
Stunden verbrachten wir damit unser riesiges Einsatzgebiet zu bestreifen und zu Reden. Da erfuhr ich wirklich alles, was ich noch nicht über die legendären Einsätze an der Startbahn West und all about Wackersdorf wusste; wie man der „Plage Hausbesetzter“ Herr wurde; wie viele Winter er an der Innerdeutschen Mauer in Hab-Acht-Stellung verbrachte; dass dies der siebte Hund sei, den er jetzt im Streifendienst seinen treuen Wegbegleiter nennen durfte und wie diese zu halten seien; was sich alles innerhalb der letzten Dekaden verändert habe; dass er bald in Frühpension gehe, da das Herz krank sei; dass die Kinder nun aus dem Haus seien, dass man jetzt bald neu Reifen aufziehen könne; wie mühsam das Stopfen der Hülsenzigaretten sei; dass es so nicht mehr weiter gehe und schließlich, dass sich auf der Stammstrecke zwischen Laim und Pasing eine Person im Gleisbereich aufhalte und ich jetzt besser aufwachen sollte.
Und als ich noch angestrengt die Schrägstellung meiner Augen korrigierte waren die Sirenen wieder in meinen Ohren und von oben warf sich wild flackernd blaues Licht auf die feucht benetzte Straße.
Als wir wie üblich die Straße in Richtung unwegsames Gelände verließen, um die notierte Örtlichkeit auf Bahnkilometerniveau zu erreichen, wurde ich darüber informiert, dass sich hier irgendwo ein „Gleisüberschreitungsverbrecher“ aufhalten solle: Gleise sind für den Zugverkehr frei; die Lokführer seien lediglich angewiesen auf Sicht zu fahren. Und ich fand das gar nicht so toll, da ich im Gleisbereich die Hosen grundsätzlich voll hab.
Ganz in alter Manier des Tarnen und Täuschens stellten wir unser Fahrzeug irgendwo bei Fuchs und Hase ab und machten uns über einen kleinen Wall auf die Suche nach diesem Täter. Bewaffnet mit einer irreschweren Maglight, bei der mir der Arm einschlief, wenn ich sie weisungsgetreu mindestens eine Armlänge vom Rumpf entfernt hielt, machten wir uns auf den Weg, den Schottersteinen einen letzten Besuch für diese Nacht abzustatten.
So suchten wir im Taschenlampenlicht die nächsten dreihundert Meter Gleisanlage ab, bis sich doch tatsächlich dieser Unruhestifter verriet, indem er tollpatschig über säuberlich gehackten Schotter lief und sich auf den Weg ins absolute und superdunkle Nichts aufmachte. Ich machte meinen Kollegen auf meine Beobachtung aufmerksam und schwebenden Schrittes über Schienenkörper und Weichen verfolgten wir die Fährte bis wir vor einer scheinbar unüberwindbaren Mauer bestehend aus tiefdunklem Dickicht und noch dunklerem Dickicht standen. Wie durch Geisterhand gelenkt leuchtete ich mit meinem Strahler in die Höhe und sah, wie dutzende Vögel aus den Büschen flogen, so dass für uns der Fall klar war: er befindet sich genau da drin.

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