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Tragische Eulensuche
Autor: Bodo Doering
Eingestellt am: 10.09.2006
Seite 2 von 3

„Offensichtlich liegt Stromtod vor“, wandte sich einer der Sanitäter an mich, „sehen Sie hier die Strommarken. In der rechten Innenhand die Eintrittsmarke, am Gesäß hinten die Austrittsmarke. Ich habe das schon zweimal erlebt und kenne die Verletzungen. Der Junge war mit Sicherheit gleich tot. Nach einem Arzt habe ich schon gefunkt. Wenn Sie jetzt hier sind, fahren wir wieder ab. Für uns ist hier ja nichts mehr zu machen.“ Er ging zu seinem Rettungswagen.
Kriminaltechniker Hofstedt machte Fotoaufnahmen und zeichnete die Unglücksortsituation auf.
Ich beugte mich zu dem toten Jungen. Seine Augen waren halb geöffnet, seine Miene zeigte ein leichtes Erstaunen. Als ich die rechte Hand des Jungen in meine nahm, fiel mir sofort die in der Innenhand quer über die Finger verlaufende, etwas eingedellte fingerdicke Furche auf, weißlichgrau gefärbt, verbrannte Haut. Die Austrittsmarke sei am Gesäß hatte der Sanitäter gesagt.
Ich drehte den Körper zur Seite und leicht nach vorne und starrte auf ein faustgroßes Loch auf der linken Pobacke. Die Hose war an dieser Stelle aufgerissen und zeigte rohes und teilweise verbranntes Fleisch, ebenfalls nach außen gestülpt, so als sei ein tennisballgroßer Gegenstand an dieser Stelle mit größter Wucht aus dem Körper nach außen geschossen worden. Ich würde ihn in der Leichenhalle ohnehin ganz auszie-hen und nach weiteren Spuren untersuchen müssen, ging es mir durch den Kopf.
Ich starrte auf die grässliche Wunde. Mit welcher Wucht mochte der Strom durch diesen jungen Körper geschossen sein. Mir wurde mulmig. Zwar hatte ich während meines Kriminalmeisteranwärter-Lehrganges über Stromtote gehört und auch Bilder gesehen, aber die Realität sah ganz anders aus.
Nun wendete ich mich den beiden Jungen zu. Ja, Eulen sollten hier nisten, oben in diesem Transformatorenhaus. Michel sei ganz versessen darauf gewesen. Sie hätten auch keine Bedenken gehabt, die Tür aufzubrechen. Hier sei ja kein Betrieb mehr. Michel sei ganz nach oben geklettert.
Sie hätten den Michel dann nach draußen gezogen. Und weil der sich nicht mehr rührte, seien sie zu den Häusern da unten gelaufen, um Hilfe zu holen. Dann nannten sie mir den kompletten Namen und die Adresse von Michel.
Mit dem Arzt erschien ein weiterer Mann. Der Arzt sah kurz zu Michel, betrachtete sich den regungslosen Körper, die Hand und das Gesäß, schüttelte den Kopf und bestätigte als Todesursache: Tod durch Elektrizität.
Da seien 10 KV (10000 Volt) auf der Leitung, oben am Lei-tungseintritt in das Trafohaus. Die weiteren Leitungen nach unten und alle Armaturen seien aber alle gekappt und demon-tiert worden, nach der Stilllegung der Ziegelei. Außerdem sei die Tür ordnungsgemäß verschlossen gewesen, wie auch zu Betriebszeiten üblich, erklärte der hinzugekommene Mann, der sich als früherer Betriebselektriker zu erkennen gab.
Der Junge habe sich offensichtlich oben im Dachteil des Trafohauses an der Strom führenden Leitung festhalten wollen und seinen Körper an den Erdungsschienen abgestützt. Ein menschlicher Körper überbrückt die Spannung sofort.
Der Elektriker schüttelte den Kopf und bemühte sich um die aufgebrochene Trafotür.
Ich lud die beiden verstörten Jungen in meinen Dienstwagen, ließ mir von ihnen zeigen, wo Michel wohnte und fuhr sie nach Hause, um auch deren Eltern zu informieren. Diese Kinder waren geschockt und mussten betreut werden. Das war mir durchaus bewusst. Aber ich hatte keine Ahnung über das Wie. Die Eltern werden schon machen, dachte ich mir.

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