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Tragische Eulensuche
Autor: Bodo Doering
Eingestellt am: 10.09.2006
Die drei Jungen strebten am frühen Nachmittag eilig dem Gelände der kürzlich stillgelegten alten Ziegelei entgegen. Sie lag oberhalb der kleinen Gemeinde und niemand wusste, ob sie je wieder in den kommenden siebziger Jahren in Betrieb genommen werden würde.
Eulen wollten die Jungen suchen. Sie hatten gehört, dass sich im Bereich der alten Ziegelei Eulen angesiedelt hatten und sogar gebrütet haben sollen. Angeblich habe man eine Eule in die Dachluke des Transformatorenhäuschens hinein-schlüpfen sehen, das am Rand der Fabrikationsanlage stand.
Schnaufend kamen die Jungen am Häuschen an, umgingen das turmartige Gebäude und suchten nach einer Zutrittsmöglichkeit. Die Tür war verschlossen. Zwar wackelte sie im Schloss, doch sie gab zunächst nicht nach.
Glück gehabt meinte der 15jährige, der älteste der drei Jungen und hob in der Nähe einen Eisenstab auf, der wohl bei Demontagearbeiten auf dem Werksgelände zurückgeblieben war. Mit diesem zeigte er seinen beiden jüngeren Begleitern, wie man mit Geduld und Kraft die starke Holztür öffnet.
Nun standen sie im unteren Räumchen des schlanken Transformatorenhauses, in das von weiter her noch drei Leitungen, von Masten getragen, in den Dachteil führten. An den Wänden waren Halterungen zu erkennen, an denen einst Schaltan-lagen und Sicherungskästen montiert waren. An der Seitenwand führten Metallbänder, verzinkte Erdungsleitungen, von oben herkommend in den Boden. Eine schmale Eisenleiter reichte zu einer offenen Luke an der Decke, sicher dem nächs-ten Stockwerk des Trafohäuschens. Michel, der Anführer, kletterte die Leiter hoch und kroch durch die Luke und meinte oben stehend: „Hier sieht es ähnlich aus wie unten. Hier wurde auch so technisches Zeugs abgeschraubt. Aber von einem Eulennest ist hier auch nichts zu finden. Über mir ist noch so eine Luke, aber eine Leiter fehlt. Ich klettere mal da an der Wand an den Schienen hoch. Da oben muss doch ein Nest sein.“
Die beiden Jüngeren sahen nach oben und warteten und sie hörten, wie sich ihr Freund keuchend abmühte. Michel stand nun an die Metallschienen gepresst und krallte sich am obersten Lukenrand fest. Über sich sah er gespannte Seile. An einem würde er sich nach oben ziehen und er streckte seine Hand nach dort aus.
Ein scharfer lauter Knall.
Beim Hinaufsehen zur Luke wurde Michel für seine beiden erschrockenen Freunde wieder sichtbar. Er schien oben gefallen zu sein empfanden sie. Und sie sahen, wie sein Körper gerade nach unten durch die Luke rutschte und hart vor ihnen auf dem Boden aufschlug.
„Kollege, fahren Sie mal zu einem Unglücksfall. Da soll ein Junge durch Strom umgekommen sein.“
Der Chef des Kriminalkommissariates stand in der Tür und drückte mir einen Zettel mit einer Adresse in die Hand. Ich sauste mit Kriminaltechniker Hofstedt los. Die Ziegelei war einige Kilometer entfernt.
Zwei verstörte Jungens hockten am Boden, seitlich eines Transformatorenhauses. Zwei Sanitäter mit einem Rettungswagen und einige Erwachsene standen ratlos wirkend herum. Dann sah ich einen menschlichen Körper am Boden liegen, der verunglückte Junge.

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