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Toni geht in Pension
Autor: Dietrich Grewe
Eingestellt am: 01.09.2006
Vor einiger Zeit sprach ich mit Pensionärs-Kollegen über Erinnerungen an unsere Dienstzeit und mit welchen Empfindungen wir gegangen sind. Leider hatten nicht alle gute Erinnerungen. Mancher wurde mit Eskorte verabschiedet oder mit einer feierlichen Verabschiedung im Kollegenkreis. Es gab auch Kollegen, welche sich ihre Urkunde ohne Verabschiedung nach Hause schicken ließen oder am letzten Tag mit der Hand über den Schreibtisch strichen, ihren Mantel nahmen, „Tschüss“ sagten, die Türe schlossen und gingen – das war’s.
Ich selbst kann nach zehnjähriger Pensionszeit voller Stolz auf meine Dienstzeit zurückblicken.
20 Jahre vor meiner Pensionierung begann ich mit mehreren Kollegen als Verkehrserzieher. Da ich langsam in dieses Amt hineinwuchs, machte mir die Arbeit immer mehr Freude. Wir unterrichteten in Firmen die Lehrlinge und Kraftfahrer, in Grund- und weiterführenden Schulen die Schüler über alles was mit Verkehr zusammen hing. Hierbei hatte ich die unterschiedlichsten Erlebnisse:
In einer vierten Klasse übernahm ich mit den Schülern ein sogenanntes Urgestein. Josef. Er war sitzen geblieben und somit der Älteste. Josef saß in der letzten Bank, den Kopf auf die Unterarme gelegt und sah mich misstrauisch an. Während mit den Schülern der Unterricht normal verlief, zeigte Josef sich desinteressiert. Ich überlegte, wie ich ihn aus der Reserve locken könnte. Mit leichten Fragen bezog ich ihn in das Klassengeschehen ein. Ab der zweiten Stunde erlebte ich einen ganz anderen Josef. Am anderen Morgen und die folgenden Tage stand Josef begrüßte mich Josef am Schultor und bat mich, meine Tasche tragen zu dürfen. In diesen Tagen brauchte er nicht einem einzigen Tag von den Sozialarbeitern in die Schule geholt werden.
Die Arbeit in den Kindergärten war natürlich eine ganz andere. Ich war stets angekündigt und wurde von den Kindern besonders freudig erwartet. Spielten die Kinder draußen, liefen sie zur Erzieherin und riefen – „er kommt, er kommt, die Polizei kommt.“ Der Unterricht fand meistens mit einer Gruppe statt. Im Laufe der Zeit stellte ich fest, dass man die Kinder durch audio-visuelle Information am besten beschäftigen und begeistern konnte. Im Gruppenraum zeichneten wir und ich hatte einen Kasper oder eine Stoffpuppe dabei. Ich hatte schon mehrere Kasper ausprobiert, bis ich Toni auf einem Trödelmarkt entdeckte. Es war ein handgroßer Tütenkasper, welchen man wunderbar mit seinem Stöckchen bewegen und Leben einhauchen konnte. So toll wie Toni konnte keiner mitmachen. Er konnte sprechen, singen, schimpfen oder sich in der Tüte verstecken und zwischendurch den Unterricht stören, das war einmalig. Die Kinder bastelten dem Toni eine Freundin, die Antonia.
Wenn ich mit Kindern auf einem großen Bogen Papier, befestigt auf der Tischplatte eines gekippten Tisches, Fahrbahn, Gehweg, Zebrastreifen und Ampeln aufmalte und besprach, hatte ich wirklich aufmerksame Kinder. Toni konnte die Kinder immer wieder locken. War Toni in Aktion, waren die Kinder nicht zu bremsen. Der Toni war eine Person für sich im Raum. Die Kinder sprachen ihn direkt an, wollten mit ihm spielen. Ich war gar nicht so wichtig. So kam ein kleines Mädchen nach vorne und fragte den Toni: „Toni, soll ich Dir mal etwas verraten, ich habe heute keine Pampers mehr an, jetzt bin ich schon groß.“ Mir hätte die Kleine das Geheimnis bestimmt nicht verraten.


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