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Polizei
Wechselbad der Gefühle
Autor: Martin Herzmoneit
Eingestellt am: 20.08.2006
Seite 2 von 2

Aber was wird mit den Kindern, wenn ich sie hier lasse. Ich konnte sie doch nicht ihrem Schicksal überlassen.
„Es reicht, ich werde die Kindern mit mir nehmen“ sagte ich der Mutter, die plötzlich wie ausgewechselt war. Ein Wechselbad der Gefühle sprudelte aus ihr heraus.
Sie kniete nieder, küsste mir die Schuhe und bettelte.
“Ich flehe sie an, nehmen sie mir nicht meinen Lebensinhalt. Die Kinder sind alles, was ich noch habe“.
Ich erschrak über mich selbst, denn ich amüsierte mich, wie sie mir die Schuhe küsste und musste sogar grinsen.
„Du Arschloch“ ermahnte ich mich, „hör auf zu grinsen!“ .Aber ich konnte nicht. Sie sprang auf und drohte mich umzubringen, wenn ich ihr die Kinder wegnehmen würde.
Das ging eine Weile hin und her. Der Sozialarbeiter, den wir verständigt hatten, lies schon eine Ewigkeit auf sich warten.
Während mein Kollege die Mutter ablenkte, ging ich ins Kinderzimmer und packte ein Paar Sachen für das Baby in den Tragekorb.
Das Handy klingelte. Der Sozialarbeiter war dran.
„Nehmen sie die Kinder mit auf die Wache, ich kümmere mich solange um eine Pflegefamilie“.
Die erhoffte Unterstützung kam also nicht. Ich atmete tief durch, ging ins Wohnzimmer und sagte der Mutter, dass es soweit wäre.
Mein Kollege nahm den Tragekorb mit dem Baby während ich die kleine Tochter auf den Arm nahm. Die Kleine schien die Welt nicht mehr zu verstehen; sie streckte die Arme aus, rief nach ihrer Mama und kämpfte, damit ich sie loslasse. Trotz allem was sie ihren Kindern angetan hatte, liebte die Kleine ihre Mutter, von der ich sie jetzt wegzog.
Der Weg von der Haustüre bis zum Streifenwagen glich einem Spiesrutenlauf. Noch nie in meinem Leben habe ich mich so schrecklich gefühlt. Tausend Gedanken schossen durch meinen Kopf. Du nimmst den Kindern das Wichtigste im Leben. Ist das richtig? Haben die Kinder hier eine Zukunft? Es ist besser so...oder doch nicht?
Unter den neugierigen Augen der Nachbarn setzte ich mich mit dem Kind in den Streifenwagen.
Die Mutter schrie mir hinter her: „Ja das macht dir Spaß, was? Dabei geht dir bestimmt einer ab!“
Auf der Fahrt zur Dienststelle beruhigten sich die Kinder und meine Gedanken. Wir wurden dort vom Sozialarbeiter erwartet, der die Kinder in Empfang nahm. Er brachte sie zu einer Pflegefamilie.
Bis heute weiß ich nicht, was mit ihnen weiter geschehen ist. Hatten sie es dort besser? War es richtig, was ich getan habe?
Jedenfalls wollte ich nach diesem Einsatz irgendwo anders und kein Polizist mehr sein.
Heute, vier Jahre später, sehe ich die Bilder immer noch vor mir. Höre die Mutter betteln und schreien. Höre meine stille Frage, ob meine Entscheidung richtig war, die ich damals an mich selbst gerichtet hatte. Die Antwort ist noch immer offen.


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