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Das Mammut
Autor: Gerald Marek
Eingestellt am: 01.08.2006
Walter war ein richtiger Brocken von einem Menschen. „Ein gestandenes Mannsbild“, würde man in Bayern sagen. Er war groß und breit, hatte Arme wie andere Leute Oberschenkel, eine Strubbelfrisur wie Einstein, einen mächtigen Rauschebart und eine Stimme wie Lee Marvin in seinem Lied „I was born under the wandering star“. Nun gut, er war nicht der Sportlichste und der Flinkste, aber ein sympathischer Stoiker. Ihn konnte scheinbar nichts, aber auch gar nichts, aus der Ruhe bringen. Sein Spitzname „das Mammut“ passte zu ihm wie die berühmte Faust aufs Auge.
Mammut war Kollege in der A-Schicht meines Reviers. Ich selbst diente in der B-Schicht und so sah ich ihn immer wieder bei den Schichtwechseln. Richtig viel geredet haben wir nie miteinander – wie auch? – er sprach ja eh nur, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Wenn er uns nach der Spätschicht ablöste, klemmte er sich in der Regel hinter den Funktisch, bewaffnet mit Zigaretten und Kaffee. Dort, an „seiner“ Wache arbeitete er immer nach dem Motto „Nach Eins kommt Zwei“. Vermutlich war er immun gegen Hektik, denn selbst wenn sich alle Telefone, der Notruf und der Funk gleichzeitig lautstark meldeten, behielt Walter seine gemütliche Verfassung bei. Ohne Anzeichen von Stress erledigte er die Gespräche der Reihe nach und ließ auch mal den einen oder anderen Anrufer in der Warteschleife „verhungern“.
Manchmal, wenn wir wieder zum Frühdienst kamen, saß er noch genau so am Wachtisch, wie er sich bei Dienstbeginn hingepflanzt hatte, und ich habe mich oft gefragt, ob er sich überhaupt bewegt hatte.
Als ich einmal am frühen Abend, kurz nach Beginn der Nachtschicht gerade selbst an der Wache saß, klingelte es am Hintereingang. Ich fragte über die Gegensprechanlage, wer dort sei und drückte den Türöffner, nachdem ich Walters bekanntes Brummen als Antwort bekommen hatte. „Muss was holen“, hörte ich durch den Lautsprecher. Die Wache lag eine Etage tiefer als der Hintereingang und so konnte ich Walter nur hören, wie er die Stufen zum 1. Obergeschoss hoch ging. Kurz später waren wieder Schritte zu vernehmen und dann fiel die Hintertür ins Schloss.
Etwa eine halbe Stunde später erhielt ich einen Notruf. Ein Toter liege in einer Telefonzelle, hieß es. Sofort beorderte ich zwei Streifenwagen zum Einsatzort und bekam dann die Mitteilung: Mammut hat sich eine Kugel in den Kopf gejagt! Mit der Dienstwaffe! Er war tot.

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