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Polizei
Und führe uns nicht in Versuchung
Autor: Peter Rieger
Eingestellt am: 22.07.2006
Über Funk beorderte die Stimme unseres Dienstgruppenführers uns zu einem an eine Kleingartenanlage angrenzenden Acker, wo eine leblose Person liegen sollte.
Ein Mann war nachts durch die Felder geirrt und geriet in einen lehmigen Acker, den er durchkroch, bis ihn an einem Wiesenrain die Kräfte verließen und er verstarb. Natürlich bescheinigte der inzwischen eingetroffene Arzt eine nichtnatürliche Todesursache, zumal der Mann Einstiche in den Armbeugen hatte. Der Krankenwagen wurde zudem noch zu einem Folgeeinsatz gerufen, so dass wir den Toten bis zum Eintreffen der Kriminalpolizei und des Bestatters zu bewachen hatten.
Keine dankbare Aufgabe, so an einem Sonntagmorgen an einem Spazierweg zu stehen, mit der Aussicht, sicher über eine Stunde warten zu müssen, bis die Kripo kommt.
Man hatte den Toten notdürftig mit einer Folie abgedeckt und es dauerte nicht lange, bis die erste Spaziergängerin auftauchte und naseweis herumstand. Sie zündete sich eine Zigarette an und ich griff nach meinen. Der Kollege wollte das Gleiche tun, aber beide griffen wir ins Leere; wir hatten unsere Packungen auf der Wache vergessen.
Wir schauten uns an, während die Gafferin genüsslich den Rauch einzog und wieder in unsere Richtung blies. Als es für sie nichts mehr zu beäugen gab, schlenderte sie langsam weiter, wir schnupperten ihr noch lange hinterher – Zigarettenrauch riecht für einen Raucher am würzigsten, wenn er selber keine Zigaretten hat.
War ein Automat in der Gegend, oder wie hätte man sich Nachschub besorgen können? Noch bevor wir uns intensivere Gedanken darüber machen konnten, kam schon der nächste frühe Spaziergänger, ebenfalls genüsslich inhalierend, und, wie wir bemerkten, auch noch unsere Marke.
Was macht man da als Polizist; schnorren in Uniform ist ja nicht gerade angesagt. Im Funk hörten wir, wie die anderen Besatzungen der Reihe nach zu Einsätzen fuhren, aus dieser Richtung war also auch nicht an Nachschub zu denken.
Der Typ neben uns rauchte genüsslich, der Wind kam aus seiner Richtung und ließ uns wenigstens mit riechen, wo wir doch so gerne mitgeraucht hätten.
Eine halbe Stunde vorbei, die Kripo hat noch nichts von sich hören lassen und der Raucher hatte seinen Morgenspaziergang fortgesetzt, kurz, eine auswegslose Situation für einen zigarettenlosen Raucher. Der Kollege kramte in seiner Streifentasche, ihm war eingefallen, dass er irgendwann eine Schachtel Zigaretten vermisst hatte, sie aber nicht gesucht hatte, weil gleich ein Automat in der Nähe war. Ich musste seine Hoffnungen zerstören, wir hatten sie an der letzten Unfallstelle bereits herausgekramt und mit der Feuerwehr geteilt. Hätten jetzt ruhig kommen können, die Kameraden von der Feuerwehr - allerdings, was hätten sie bei einem so in einem Acker liegenden Toten tun sollen. Hauptsache wir hätten etwas zu rauchen gehabt, doch so wurden wir immer nervöser.
Hoi, Frau Maier, wir haben Sie gar nicht kommen hören. Eine der Damen, die jedes Revier kennt, in anderen Branchen alte Kundin genannt, die immer irgendwelche Sachverhalte melden und die es auch juckt, wenn in China der sprichwörtliche Sack Reis umfällt, hatte sich auf dem Feldweg genähert und begehrte Aufklärung. Ob wir wissen würden, dass der Tote letzte Woche noch beim Einkaufen in Ulm gewesen sei, vermeldete sie mit pseudokollegialem Augenzwinkern.
Was interessiert mich, wo einer noch beim Einkaufen war; jetzt braucht er nichts mehr. Sie habe das schon lange vorausgesehen, dass der so enden würde, so wie der gesoffen habe, und überhaupt, bei dieser Kindheit.

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