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Polizei
Und führe uns nicht in Versuchung
Autor: Peter Rieger
Eingestellt am: 22.07.2006
Seite 2 von 2

Sie habe seine Mutter schon von ledig gekannt und was die erzählt habe, nun ja, bei dem Vater. Keine Aufsicht habe der Kerl gehabt, schon als Schulerbub habe er geraucht wie ein Sperber und auch sonst alles getan, was Gott verboten habe.
Geraucht wie ein Sperber? Hat der etwa...? Die Folie knisterte etwas im Wind.
Ich wagte gar nicht weiterzudenken – und überhaupt: Hat der liebe Gott das Rauchen verboten? Uns nicht – wir sind nur zwei armselige Streifenpolizisten, die blöderweise am letzten Kippenkasten vor dem Tatort vorbeigefahren sind.
Ob wir Feuer hätten, fragte sie uns und hatte eine volle Schachtel Zigaretten in der Hand – überflüssig zu erwähnen, dass es sich um unsere Marke handelte. Der Kollege zitterte ihr das Feuerzeug entgegen und sie meinte, dass sie das sehr pietätvoll finden würde, wenn zwei Polizisten an einem solchen Ort nicht rauchen würden – wir hätten aber doch nichts dagegen, dass sie...?
Nein, ganz im Gegenteil, meinte der Kollege und ich meinte, Feuchtigkeit in seinen Mundwinkeln und weiße Flecke im Gesicht, gesehen zu haben. Dann zog sie die Schachtel wieder aus ihrer Manteltasche und streckte sie uns hin. Ich sah, wie sich der Mund des Kollegen zu einem lautlosen, gierigen „Ja““ formte, seine Rauchhand sich auch schon aus der Anoraktasche bewegte – mein mühselig hervorgestoßenes „Danke, jetzt nicht“ tötete aber alles ab. Ich weiß nicht, was mir der Kollege in diesem Moment alles an den Hals wünschte, ich konnte ihm aber nachfühlen. Irgendwo ist noch eine Grenze und von allen nehmen wir auch nicht alles.
Unsere alte Kundin setzte schließlich ihren Marsch fort und der Kollege kreidete mir an, dass ich keine Ausnahme gemacht hatte.
Von der Kripo war immer noch nichts zu hören und zu sehen und wieder verging eine Viertelstunde. Laufen am Sonntagmorgen eigentlich auch Nichtraucher spazieren? Wir sahen keinen, sogar der Opa hinten im Schrebergarten dampfte genüsslich einen Stumpen. So etwas hätte es uns auch getan, meinte mein Kollege, der normalerweise Zigarren hasste. Auf dem Revier stand auf dem Schreibtisch des Chefs seit Jahren immer eine Kiste „Tropenzierde“, ein Kraut, das so stank, dass es nur dafür taugte, das Chefbüro fliegenfrei zu halten. Selbst in der größten Nachtdienstnot hatte sich der Kollege nie an diesem Zeug vergriffen, selbst wenn er im Regen einen Fußmarsch zum Automaten zu machen hatte.
Wieder verging einige Zeit und wir standen alleine neben dem Toten, bis der Leichenwagen den Feldweg heraufkam und die beiden Leichenbesorger ausstiegen.
Das Verhältnis zwischen Polizisten, Leichenbesorgern und Abschleppunternehmern ist traditionsgemäß kollegial und so jubelte mein Kollege, weil er endlich einen altbekannten Raucher, den man gefahrlos anschnorren konnte, erblickte.
Der alte Raucher kaute Kaugummi und meinte, jetzt habe er es schon seit einigen Wochen ohne Qualm ausgehalten. Auf der Anfahrt habe man die alte Maier gesehen und sie gefragt, ob sie einen Streifenwagen gesehen habe. Die habe so nach altem Rauch gestunken, das würde ihn in seinem Aufhörentschluss nur bestärken.
Der Kollege meinte niedergeschlagen, er ginge mal an den Funk, um zu fragen, wo denn die Kripo sei. Mit Sicherheit hat er den Aschenbecher im Streifenwagen nach einer brauchbaren Kippe durchsucht; ich hätte schwören können, dass er mit Ascheresten an den Fingern zurückkam.
Die Kripo sei auf der Anfahrt, aber der Kollege, der käme, sei militanter Nichtraucher, fügte er trübsinnig hinzu.
Als der Kripomann da war, trug ein Windstoß die Abdeckfolie über den Acker davon. Der Tote lag frei vor uns und aus seiner Jackentasche schaute eine noch ungeöffnete Packung Zigaretten - genau unsere Marke.
Mein Kollege bekam große Augen, begann zu schwitzen und trocken zu schlucken – wie gut, dass es vorher fast windstill war.....


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