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Der "Hauptmann von Plau"
Autor: Ulrich Hinse
Eingestellt am: 22.07.2006
Seite 3 von 4

Er legte einen grünen Ausweis vor, der dem ersten Eindruck nach von der amerikanischen Botschaft ausgestellt worden war. Trotzdem kamen den Beamten Zweifel. Sie wollten das doch noch genauer überprüfen und baten, den Ausweis per Fax an das LKA zu übermitteln zu dürfen. Der Agent stimmte zu und der Hotelier faxte.
Wie das bei einem schwarz-weißen Fax nicht zu vermeiden ist, wurde das Dokument nur sehr unzulänglich übertragen. Original oder Fälschung war nicht zu erkennen. Aber das Lichtbild auf dem angeblichen Diplomatenausweis, der nur eine Fahrerlizenz war, störte uns. Ein offizielles Dokument, auf dem das Lichtbild den Inhaber im Freizeithemd und mit Sonnenbrille zeigt, hatten wir noch nie gesehen. Ein Anruf bei der amerikanischen Botschaft in Berlin sollte Klärung bringen. Dem dortigen Sicherheitsbeamten wurde das Dokument beschrieben. Wie schon geahnt, in Berlin kannte niemand den Mann. Auch war dort von einer geheimen Nato-Tagung in Plau nichts bekannt.
Die Botschaft bat, dass sich der Agent telefonisch bei seiner Botschaft in Berlin melden möge. Die Kollegen im Hotel in Plau wurden informiert und teilten ihm den Wunsch seiner Dienststelle mit. Der „Spezialagent“ reagierte ungehalten. Als Angehöriger der amerikanischen Botschaft habe er einen diplomatischen Status und finde es schockierend, wie man ihn hier in der Provinz behandele, versuchte er die Polizeibeamten zu irritieren. Aber natürlich werde er die peinliche Angelegenheit sofort fernmündlich mit der Botschaft klären. Allerdings nicht vom Hoteltelefon, sondern über seine Spezialtechnik im Auto.
Dagegen war nichts einzuwenden. Ein Beamter begleitete ihn zum Auto und wartete höflich in angemessenem Abstand, um den vermeintlichen Diplomaten nicht noch weiter zu verärgern. Im Auto angekommen, verriegelte „007“ die Türen, griff zum Telefon und tat so, als ob er mit irgendwem sprechen würde. Plötzlich startete er den Wagen, gab er Gas und raste davon. Dem Polizeibeamten gelang es nur mit Mühe, dem Jeep auszuweichen. Bevor die Verfolgung aufgenommen werden konnte, war der angebliche Amerikaner bereits verschwunden. Einerseits von dem selbstsicheren Auftreten noch immer beeindruckt, andererseits von dem im Hotel zurückgelassenen Gepäck beruhigt, wurde zunächst keine Fahndung ausgelöst. Außerdem habe der Mann ein Telefon im Auto und könne so erreicht werden. Der Hotelier half. Ihm hatte der Agent seine Handynummer gegeben, die nun an die amerikanische Botschaft übermittelt wurde, die ihrerseits versuchte, „ihren“ Mann zu erreichen.
Nach zehn Minuten erfolgte der gespannt erwartete Rückruf aus Berlin.
„Hey, Friends“, tönte es durch den Hörer, „ich habe den „Spezialagenten“ tatsächlich erreicht. Das ist ganz bestimmt kein Amerikaner. Der Typ spricht kein englisch. Er versteht es auch nicht. Der muss Deutscher sein, der euch, wie sagt man auf Deutsch? Verarscht?, hat. Als er merkte, dass am anderen Ende der Leitung ein Amerikaner war, hat er das Gespräch sofort beendet. Hey, für uns ist die Sache damit erledigt.“
Augenblicklich wurde mit Verspätung die Fahndung eingeleitet und die Ermittlungen liefen an. Innerhalb weniger Minuten wurde festgestellt, Jeep und Handy waren in Halle in Sachsen-Anhalt unterschlagen worden. Den dortigen Kollegen musste unser „Spezialagent“ nicht sonderlich beschrieben werden. Es war ein alter Bekannter.


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