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Der Mob
Autor: Franz Ruthner
Eingestellt am: 12.01.2003
Dieser Text im pdf-Format: der-mob.pdf (37 kByte)
Seite 9 von 14

meines Radios zu erfahren. Als ich den Hof durchquerte, glaubte ich, noch einmal kurz etwas rotes, einen Teil des Kleides an meinem Fenster aufblitzen gesehen zu haben. Ich versuchte nicht darauf zu achten. Entweder trieb da jemand einen üblen Scherz mit mir, oder ich begann langsam in einen Wahn abzurutschen.

Am Abend hatte ich keine Lust mehr auszugehen. Ich schenkte mir ein Glas Wein ein, machte es mir vor dem Fernseher gemütlich.

In einer Werbepause wollte ich mir Wein nachschenken und mir etwas zum Knabbern holen. Im dunklen Vorzimmer stolperte ich und etwas verfing sich zwischen meinen Beinen.

Der Mob.

Das Ding hatte ich vollkommen vergessen. Ich nahm ihn auf, wollte ihn in den Abstellraum bringen, aber ich überlegte es mir anders, ich würde ihn morgen einweihen, indem ich die Küche aufwischte, schließlich hatte diese es nötig. Als ich den Mob in die Küche trug, fühlte ich, dass da am Griff etwas eingeritzt war.

+ANNA+

war knapp unterhalb des schwarzen Griffstückes, in den roten Lack der Federstahlstange gekratzt worden.

Anna, dachte ich, wer mag wohl diese Anna gewesen sein? Eine junge Mutter, die mit dem Wischgerät, dass sie wahrscheinlich zur Hochzeit erhalten hatte, vor vierzig Jahren ihre eigene und auch noch fremde Wohnungen wischte, um das kleine Einkommen aufzubessern, während ihr Mann in der Kneipe oder am Fußballplatz besoffen herumlungerte, und sich einen Dreck um die Kinder kümmerte. >Wie komm ich den jetzt auf diese Geschichte< dachte ich, während ich mir mein Weinglas füllte, und um Küchenschrank nach etwas Essbarem kramte. Es könnte auch eine glückliche Ehe gewesen sein, überhaupt, vielleicht hatte sie den Mob nie in der Hand gehabt, vielleicht waren seine Wischhaare ausgefranst, als ihr Mann mit ihm die Einrichtung zertrümmerte, als er nach einem harten Arbeitstag nach Hause gekommen war und seine hübsche, faule Frau mit einem anderen im Bett erwischt hatte. Aber dagegen sprach der Name, der in die Stange eingeritzt worden war. Eine schlampige Frau würde nicht darauf bedacht sein, ihre Haushaltsgeräte zu markieren.

"Anna!" sprach ich leise vor mich hin, als ich mit dem Weinglas in der einen Hand und der Schüssel Chips in der anderen mich auf dem Weg zum Fernsehsessel machte.

Ich erstarrte.

Zuerst rutsche mir das Weinglas aus der Hand, es landete klirrend auf dem Küchenboden, der Wein spritze mir auf die Hose, die nackten Füße, den kleinen Teppich vor der Abwasch und die Küchenkästen. Ich stand mit offenem Mund und aufgerissenen Augen eine ganze Weile da.

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