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Der Mob
Autor: Franz Ruthner
Eingestellt am: 12.01.2003
Dieser Text im pdf-Format: der-mob.pdf (37 kByte)
Seite 6 von 14

nützen solle. Auf dem Papierkorb der Haltestellentafel war ein Reklamezettel aufgeklebt, der auf den, an diesem Wochenende stattfindenden, Flohmarkt in der Neubaugasse verwies. Meine Frau liebte Flohmärkte, wir ließen kaum einen aus, mir kam meist die anstrengende Aufgabe zu, mich mit den Kindern und dem sperrigen Kinderwagen durch die Menschenmasse zu pflügen, ohne dabei eines der Kinder zu verlieren, oder mit angestoßenen Passanten in Handgreiflichkeiten verwickelt zu werden.

Die Neubaugasse war nur einen Steinwurf entfernt, ich erinnerte mich an die ausgezeichneten Snacks und gemütlichen Bierstände, außerdem hatte ich Sehnsucht nach menschlicher Gesellschaft, dass mich auch das Gedränge auf dem Markt nicht verschrecken konnte.

Ich schlenderte durch den Markt, der wegen der außergewöhnlichen Hitze schwächer besucht war, als ich mich an meine letzten Besuche entsann. Es mochte auch sein, dass ich mich ohne Kind und Kegel einfach freier bewegen konnte und dadurch das Gedränge kaum wahrnahm. Ich verzehrte ein köstliches Kebab, spülte die Schärfe mit einem Becher Bier hinunter, warf hier und da einen Blick auf einen der Stände, die alten Krempel oder neue Reinigungswundermittel darboten. Ich war satt, durch die Hitze war mir das Bier in den Kopf gestiegen, was mich frei und zufrieden machte. Schon wollte ich mich auf den Heimweg machen. Meine Sehnsucht war, begleitet von leichter Radiomusik, in meiner Hängematte, nach ein paar Seiten Buchgenuss zu schlummern. Meine Hausmeisterin sah es zwar nicht gerne, wenn ich meine Liegestatt im Hof aufspannte, doch ich nahm an, dass sie den Nachmittag bei Ihrem Sohn auf dem Lande verbringen würde.

Aus den Augenwinkeln nahm ich plötzlich eine Gestalt wahr, die mich fesselte. Ich konnte nur einen kurzen Blick auf ihre Schönheit werfen, da wurde mir das Blickfeld durch einen Marktbesucher, der eine Kuckucksuhr aus der Menschenmasse zu retten versuchte, verstellt. Ich strebte in die Richtung, wo ich die schöne Erscheinung vermutete. In meinem inneren Auge sah ich sie noch vor mir, hellblondes, wuscheliges, Haar, in Rastazöpfen baumelten sie bis zum Nacken. Schmale Schultern, ein enganliegendes Kleid über ihrem zarten, sehr schlanken Körper. Schon bald müsste ich sie erreicht haben, ich schob mich noch an einem dicken, schwitzenden Paar vorbei, sah ihr Haar und stand vor dem Marktstand.

Nur stand da nicht das schöne, helle, schlanke Mädchen, hier lehnte ein alter Wischmob, mit dem Wischteil nach oben, musste er mich wohl irritiert haben, dass ich die wuscheligen Putzfäden für die Haare eines Mädchens hielt.



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