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Der Mob
Autor: Franz Ruthner
Eingestellt am: 12.01.2003
Dieser Text im pdf-Format: der-mob.pdf (37 kByte)
Seite 4 von 14

Nun blickte das Mädchen rasch nach oben zum nächstliegenden Haus, ließ sich ebenso fallen und kullerte ihrem Brüderchen hinterher. Ab der Hälfte des kleinen Berges versperrten mit eine Reihe Büsche die Sicht, so konnte ich das Vergnügen der Kinder nur durch deren Gekudere erahnen. Ein Rufen ließ das Lachen verstummen. Nun wusste ich auch den vorangegangenen Blick des Mädchens zu deuten. Eine Frau war auf dem Balkon im dritten Stock des betreffenden Hauses erschienen und rief die Kinder nach oben. Ein letzter Blick auf die Kinder wurde mir verwehrt, da der dicke Wirt sich vor mir aufbaute, mein Bier auf den Tisch knallte und sogleich die Zeche verlangte, was so üblich sei im Schanigarten, wie er mir versicherte.

Ich bezahlte und wischte mir mit den Fingern einen Tropfen Bierschaum, den der Wirt auf mein Sakko geschleudert hatte, vom Revers. Dabei blieb ich kurz am Revers hängen, ein stechender Schmerz im Finger zog die Hand reflexartig weg. Ein Blutstropfen sammelte sich auf der Spitze meines linken Mittelfingers. Ich lutschte ihn ab und untersuchte mein Sakko nach der Ursache des Unfalles, der mir sehr gelegen kam, denn die Tränen, die mir nun über die Backen liefen, hatten sich schon vor dem Kontakt meines Fingers mit der Nadel in meinem Anzug in den Bindehäuten angesammelt. Die Tränen entsprangen dem Anblick der spielenden Kinder, die mich an meine beiden erinnerten, die ich seit der Scheidung nur noch jedes zweite Wochenende bei mir haben konnte. Ich ließ meine Tränen laufen, würde sich jemand nach der Ursache erkundigen, könnte ich meinen Finger als profane Ursache des Schmerzes vorweisen. Das Blut aus der Fingerspritze entsprang widerum dem Stich einer Nadel, die im Revers des Sakkos gesteckt hatte. Diese dürfte ein Andenken an die Hochzeit vor sieben Jahren sein. Mit ihr wurde ein kleines Blumensträußchen befestigt, dass alle Hochzeitsgäste als solche auswies. Obgleich der Anzug nun schon mehrmals gereinigt wurde, hatte sich die Nadel, zwischen zwei Stoffschichten, jahrelang verstecken können. Ich ließ die Nadel stecken, ich fand es praktisch immer eine dabei zu haben, außerdem war sie, neben den Kindern und dem Anzug an sich, eine der wenigen greifbaren Erinnerungen an meine Ehe.

Nachdem ich zwei Zigaretten geraucht, das Bier ausgetrunken und ein paar Spatzen beim Streit um einen Brotkrumen beobachtet hatte, machte ich mich wieder auf den Weg. Ich hatte länger ausgeruht, als ich geplant hatte, mir war schleierhaft, wo die Zeit geblieben war, also beschleunigte ich meine Schritte um nicht zu spät zur Tafel zu erscheinen. Eine Gasse weiter musste ich kurz halten, da eben ein PKW ausparkte, vollgepackt mit Kühltasche und Picknickdecke. Ich erkannte darin die Kinder aus dem Park. Der kleine Junge saß im Kindersitz, versuchte die Haare seiner Schwester zu erreichen, diese wusste, wie weit sie sich ihrem wilden Bruder nähern durfte und neckte ihn, da er sie nicht erwischte. Durch die offenen Seitenscheiben

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