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Polizei
Der Mob
Autor: Franz Ruthner
Eingestellt am: 12.01.2003
Dieser Text im pdf-Format: der-mob.pdf (37 kByte)
Seite 7 von 14

Aber ich war mir sicher, dass es nicht der Mob war, der meine Aufmerksamkeit erregt hatte.

Sie hatte hier gestanden, sie hatte mich angesehen, ich war mir verdammt so sicher. Gedankenverloren blickte ich in die Menge, fand jedoch nur eine Ansammlung schwitzender, lachender und besoffener Durchschnittsbürger.

"Ein schenes Stick. So a Qualität findst heit nimmer."

Ertappt drehte ich mich um. Verlegen bemerkte ich, dass ich ein paar Locken des Mobs verträumt zwischen meinen Fingern rieb. Der Verkäufer mit dem seltsamen Dialekt versuchte sogleich mir das sperrige Gerät anzudrehen.

"Nur zwanzig Eiro heite. Da brauchts kein Staubsauger, ned amal an Aufreibfetzen mehr. Beste Qualität, kriegst heit nirgends mehr."

Wir einigten uns auf zwölf Euro, und als ich den Stand verließ war ich davon überzeugt, dass der Händler vermutlich gerade unter dem Stand lag und sich zu Tode, lachte über einen Verrückten im altmodischen Anzug, der einen vierzig Jahre alten, ausgefransten Mob durch die Menge schleppte.

Ich war aber nicht bereit mich betrogen zu fühlen. Ich nahm mir vor, dass dieser Mob, dieser schlechte Kauf ein Markstein in meinem Leben sein würde. Er würde mich an die Sekunde erinnern, an den Augenblick, als eine Frau es wieder geschafft hatte, mich aus der Fassung zu bringen, ich wieder einen Hauch von Liebe und Leidenschaft in mir aufflammen fühlte. Der Mob würde mir Glück bringen, davon war ich überzeugt.

Etwas müde von meiner langen Wanderung und dem Biergenuss, fuhr ich mit dem Bus nach Hause. Ich musste kurz eingenickt sein, als mich jemand am Ellbogen rüttelte. Aus dem Dösen gerissen, schreckte ich hoch, sah auf dem Sitz neben mir jedoch nur den Mob, der mit dem Wischkopf gegen die Busscheibe gelehnt war. Ich konnte mir zwar nicht erklären, wer mich da wachgerüttelt hatte, in jedem Fall war ich glücklich darüber, da der Bus eben in meine Station einfuhr. Den weiteren Nachmittag verbrachte ich, wie ich es mir nach meinem Essen auf dem Flohmarkt ausgemalt hatte. Ich spannte meine Hängematte im Hof zwischen der Teppichklopfstange und dem Kirschbaum auf. Das Radio berieselte mich leise mit leichten Schlagern, ich glaube, ich schaffte es gerade noch das Buch aufzuschlagen und auf meine Brust zu legen, da war ich schon eingeschlafen. Ich musste so eine gute Stunde gedöst haben, da mich etwas am Ohr kitzelte. Auf meiner Nase baumelte ein Kirschgespann und ein Blick zur Seite erklärte mir sowohl den Kitzel am Ohr, wie auch die Ursache meiner, zur Obstablage umfunktionierten Nase. Zwei Mädchen aus meinem Wohnhaus hatten sich diesen Scherz erlaubt, kitzelten mich mit einem langen Grashalm hinterm Ohr, kicherten und fragten, ob meine

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