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Der Mob
Autor: Franz Ruthner
Eingestellt am: 12.01.2003
Dieser Text im pdf-Format: der-mob.pdf (37 kByte)
Seite 2 von 14

Geldbörse, Mobiltelefon und Notizblock ständig griffbereit und die genitale Freiheit einer Bundfaltenhose ist sonst wohl nur in einer Raverjeans, deren Pinkelzipp erst bei den Knien endet zu erreichen. Das Auftragen der alten Anzüge hatte nicht zuletzt einen sehr profanen, praktischen Grund. Die Scheidung, die neue Wohnung und die zu berappenden Alimente fraßen mein Beamtengehalt auf.

Nach der Morgentoilette schlüpfte ich in meinen blauen Anzug. Er saß immer noch ausgezeichnet, wie damals, als ich ihn bei meiner Hochzeit erstmals getragen hatte. Um nicht allzu geschniegelt aufzutreten verzichtete ich auf eine Krawatte.

Punkt halb Elf verließ ich das Haus. Um meinen Appetit anzukurbeln hatte ich beschlossen zu Fuß, in einem gemütlichen Spaziergang, dem Mittagsmahl entgegenzuschlendern. Nach meiner Schätzung würde ich etwa eine Dreiviertelstunde für die Wegstrecke benötigen, es würde also noch genug Zeit bleiben, um in einem Gastgarten ein kleines Bier zu trinken. Ich bog sogleich in die Koppstraße ein um die schnurgerade Allee in Richtung Innenstadt zu durchwandern. Ich liebte diese Straße; die hochgewachsenen Kastanienbäume rechts und links der Fahrbahn schlossen sich etwa fünfzehn Meter über der Fahrbahn zu einem grünen Kuppeldach. So blieb der Weg kühl und schattig, nur vereinzelt schafften es Lichtstrahlen das Blätterwerk zu durchstoßen, kleine Scheinwerfer, die hie und da auf ein vorbeifahrendes Auto schossen, oder aber den Spaziergänger im Nacken kitzelten. In einem dieser Spots glitzerte ein Spinnennetz, dass von der Antenne eines geparkten Autos zum Türrahmen gespannt war. Ich blieb stehen, bewunderte das Kunstwerk, zündete mir eine Zigarette an und schlenderte, mit einer tiefen inneren Zufriedenheit, wie ich sie lange nicht mehr verspürt hatte, weiter. Im Gehen erinnerte ich mich an den Tag, als mir die Schönheit dieser Straße erstmals aufgefallen war. Es musste wohl schon fünfzehn Jahre her sein, als ich im Mannschaftstransportwagen hier lang gekarrt wurde. Ich war noch ein Grünschnabel, frisch von der Polizeischule und noch nicht an die harten Nachtdienste gewöhnt. Wir wurden zu einem Fußballspiel gefahren, wo wir uns von besoffenen Fans zwei Stunden lang beschimpfen, bespucken, mit Bierdosen bewerfen lassen durften.

Damals hatte ich noch keine Erfahrung mit den Fahrten in den Mannschaftstransportwagen und war somit nicht dementsprechend ausgerüstet. Die Busse stammten aus den Sechzigerjahren waren gebraucht von der deutschen Polizei gekauft worden. Die glatten Holzbänke waren unbequem, unmöglich eine längere Zeit halbwegs ohne Beschwerden zu sitzen und in den Kurven rutschten wir ineinander. Außerdem purzelten bei jeder Richtungsänderung oder einer Bodenwelle die Plexiglasschilder, die Helme, Schienbeinschützer, Brustpanzer, Gummiknüppel lang, Gummiknüppel kurz

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