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Polizei
Der Mob
Autor: Franz Ruthner
Eingestellt am: 12.01.2003
Dieser Text im pdf-Format: der-mob.pdf (37 kByte)
Seite 10 von 14

Der Augenblick, in dem mir bewusst wurde, dass ich weder träumen würde, noch stockbesoffen sei, war, als sie ein paar Schritte auf mich zu kam, mir die Schüssel mit den Chips aus der Hand nahm, bevor mir diese auch noch auf den Boden gefallen wäre. Nun hätten nur noch meine Augen auf dem Boden aufschlagen können, und ich glaube ich war auch nahe daran, das Bewusstsein zu verlieren.

Sie stand tatsächlich vor mir, war gekommen, war plötzlich in meiner Küche, dort, wo ich eben den Mob abgestellt hatte. Sie war noch schöner, als mich der kurze Blick am Flohmarkt erahnen ließ. Die blonden Locken fielen ihr keck ins glatte, junge Gesicht, dass mit einer frechen spitzen Nase und einem beinahe herzförmigen Mund verziert war. Zwischen den Locken blitzten zwei blassblaue, große Augen hervor, umrahmt von nach oben gebogenen Wimpern, die, wenn sie vor Schreck oder Freude die Lider nach oben schlug, sich in den schmalen Augenbrauen verfingen. Sie trug das rote Seidenkleid, unter dem sich eine gertenschlanke Figur und zwei faustgroße, knackige Brüste abzeichneten.

Sie legte ihren Zeigefinger an die Lippen um mir zu deuten, dass ich nicht sprechen müsste, was mir in dem Moment auch nicht möglich gewesen wäre. Ich hatte genug damit zu tun, meine Atmung und meinen Herzschlag aufrecht zu erhalten und mir zu überlegen, ob ich mich über die Erscheinung freuen solle, oder ob der Sicherheit den Verstand verloren zu haben, deprimiert zu sein.

Sie führte mich ins Wohnzimmer, setzte sich neben mich, strich mir ab und zu mit der Hand durchs Haar und sprach nichts.

Bis heute nicht.

Sie ist noch immer da, gut wir sind uns schon bald nach dem denkwürdigen Abend näher gekommen, wir lieben uns beinahe täglich in einer Intensität, wie ich noch nie mit einer Frau verschmolzen war. Dass sie nicht sprechen kann, verunsicherte mich nur anfangs. Bald erkannte ich, dass wir uns ohne Worte verstehen, und verständigen können. Sie war mit beinahe allem einverstanden, was ich vorschlug und sowohl was das Essen, den Sex und die Freizeitgestaltung anlangt, hat sie den selben Geschmack wie ich. Ich war sehr stolz, als ich mich mit ihr erstmals in der Öffentlichkeit zeigte. Für diesen Anlass hatte ich ihr ein besonders schönes, blumengemustertes Sommerkleid gekauft, dass ihre Figur, so fand ich, unheimlich gut zur Geltung brachte. Beinahe zu gut, denn nicht nur die Männer starrten sie bei unserem ersten Spaziergang unverhohlen an und tuschelten hinter unserem Rücken.

Hin und wieder konnte sie sich auch zickig geben, wenn ihr nicht passte, dass ich zur Arbeit musste, oder zu lange telefonierte, lehnte plötzlich nur der alte Mob in der Küche. Doch ich fand bald heraus, wie ich sie wieder zu mir holen konnte. Ich musste nur ganz zärtlich ihren Namen sagen,

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