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Ist Irren menschlich?
Autor: Jürgen Walther
Eingestellt am: 22.07.2006
Seite 2 von 3

Gemeinsam mit Roland, einem Kollegen mit dem ich gut eingespielt war, machte ich mich auf den Weg, allerdings ohne Diensthund, diese waren noch nicht einsatzbereit. Durch das tägliche Training unserer Hunde kannte ich allerdings den beschriebenen Bereich sehr genau und erreichte mit Roland nach einigen Minuten eine kleine Hütte am Waldrand, die offensichtlich als Pausenunterkunft der Waldarbeiter diente. Auf unser Klopfen und Rütteln an der Tür reagierte keiner und wir beschlossen, einfach selbstständig den Wald im Bereich der Forstarbeiten abzusuchen.
Schon nach wenigen hundert Metern erreichten wir das Gebiet, in dem nun schon seit mehreren Tagen Bäume gefällt worden waren. Überall lagen entastete Fichtenstämme und der Waldboden war geradezu übersäht von Spuren schwerer Arbeitsschuhe im Restschnee. Keine Chance für eine Spurenaufnahme und Verfolgung, alles war „zerlatscht“, wie die einheimische Bevölkerung zu sagen pflegte.
Da wir allerdings nun schon einmal hier waren, beschloss ich, Roland gleich noch in die vermutliche Schleuserroute einzuweisen, die ich anhand der Spuren im Schnee in der letzten Woche aufgeklärt hatte. Immer tiefer führte uns der zugewachsene schmale Steig in Richtung Tschechische Republik. Beide hatten wir die Augen im diffusen Licht unter den Baumkronen fest auf den Erdboden geheftet, um keine Spur zu übersehen. Vorsichtig setzten wir unsere Füße auf den gefrorenen Waldboden, um so wenig Lärm wie möglich zu verursachen.
Da vor mir - ich glaubte zunächst an eine Halluzination – hatte mich plötzlich ein schwarzes Gesicht, hinter einem dicken Fichtenstamm in etwa einhundert Meter Entfernung angesehen. Aber sooft ich auch hinsah, nichts war mehr zu sehen. Die „Waldmacke“ dachte ich, ein Phänomen, das immer mal wieder auftrat, wenn ich mich im Wald längere Zeit stark konzentrieren musste. Ein kurzer Blick zurück und ich stellte fest, dass Roland offensichtlich unbeeindruckt weiter das Spurenbild verfolgte. Also gab ich nichts auf das „schwarze Gesicht“. Trotzdem steuerten meine Beine scheinbar automatisch genau diese überdimensionale Fichte an und plötzlich war es wieder da, das schwarze Gesicht. Ich hatte mich also nicht geirrt.
Nun ging alles ganz schnell und wie hundert Mal vorher praktiziert. Ein kurzer Ruf zu Roland, der sich etwa zwanzig Meter hinter mir befand: „Achtung, da vor uns, die gesuchte Gruppe, pass´ auf – es geht los.“ Mit wenigen Sprüngen erreichte ich die beobachtete Stelle. Ein kurzer Blick und ich sah vier Personen, drei Schwarzafrikaner und eine Person mit heller Hautfarbe, die ich kurz entschlossen als Schleuser identifizierte. Meiner in deutsch, russisch und englisch gerufenen Aufforderung, die Hände zu heben und die Weisungen der deutschen Polizei zu befolgen, kamen die Schwarzafrikaner auch sofort nach, und Roland legte ihnen Handfesseln an. Die hellhäutige Person lag jedoch auf dem Rücken am Boden und setzte meinem Fesselungsversuch heftige Gegenwehr entgegen. Ungewohnt aggressiv, eben typisch für einen Schleuser, wie ich dachte, trat er mit einem Bein nach mir.
Das bewirkte, dass in diesem Augenblick plötzlich etwas in mir ablief, was ich mir im Nachhinein nicht mehr erklären kann. Bei meinem Versuch, diese Person zu überwältigen und zu fesseln, muss ich wohl durch den anhaltenden passiven Widerstand in Rage geraten sein. Es war gerade so, als ob ein Film ablief, in dem ich mitspielte. In dem Glauben, hier einen der lang gesuchten kriminellen Schleuser vor mir zu haben, ging ich völlig überzogen gegen die am Boden liegende Person vor, wendete Gewalt an, die gar nicht notwendig war.

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